Börsenstart: Technologiewerte wieder gefragt - DER SPIEGEL
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Börsenstart Technologiewerte wieder gefragt

In Erwartung fallender US-Leitzinsen sind die deutschen Börsen mit deutlichen Kursgewinnen in den Handel gestartet. SAP und die Telekom ziehen den Dax nach oben.
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Der Dax hat in der ersten halben Handelsstunde um 1,5 Prozent auf 5740 Punkte zugelegt. Die Wachstumswerte im Nemax-50 kletterten durchschnittlich um 4,3 Prozent. Damit notierte der Index bei 1661 Zählern. Der Nebenwerte-Index M-Dax stieg um 0,9 Prozent auf 4516 Punkte.

Die Technologiewerte im Dax trotzten einer Umsatzwarnung vom Konkurrenten Philips und präsentierten sich im frühen Handel ganz oben in der Gewinnerliste. SAP führte das Feld mit einem Aufschlag von 3,7 Prozent auf 132,70 Euro an.

Die T-Aktie der Deutschen Telekom kletterte um 3,6 Prozent auf 26,22 Euro. Der Konzernchef Ron Sommer will sich heute im Vorfeld der Cebit in Hannover der Öffentlichkeit stellen. Es steht eine Menge an: Kurseinbruch der T-Aktie, Wertberichtigung des Immobilienvermögens und Strafanzeigen gegen den Vorstand.

Die Aktionsgemeinschaft geschädigter T-Aktionäre hatte am Montagabend erklärt, dass sie der Deutschen Telekom in der kommenden Woche einen außergerichtlichen Vergleich anbieten will. Demnach soll der Telekomriese seine Aktien gegen Zahlung des Kaufpreises zurücknehmen. Sollte der Bonner Konzern den Vergleich ablehnen, droht schon im April eine Klage. Über die Höhe der geforderten Summe machten die Anwälte der Aktionsgemeinschaft keine Angaben.

Die Siemens-Familie notierte ebenfalls freundlich. Die Aktie der Konzernmutter legte 1,8 Prozent auf 115,15 Euro zu. Infineon gewannen 2,5 Prozent auf 40 Euro, Epcos stiegen um 2,9 Prozent auf 64 Euro. Der Bauelemente-Hersteller will sich in Zukunft verstärkt auf Maßnahmen zur Kostensenkungen konzentrieren. "Nach zwei Jahren guten Wachstums müssen wir die Akzente bei unverändertem Innovationstempo jetzt anders setzen", sage Epcos-Vorstandschef Klaus Ziegler im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland".

Zu den frühen Verlierern zählte auch der gestrige Tagesgewinner Deutsche Post. Die "Aktie Gelb" verlor 1,3 Prozent auf 21,61 Euro. Die rote Laterne übernahm Fresenius Medical Care mit einem Abschlag von 1,8 Prozent auf 79,10 Euro.

Zinssenkung wird erwartet

Thema des Tages bleibt allerdings die Sitzung der US-Notenbank. Ein erstes Ergebnis des Treffens wird erst kurz nach Börsenschluss in Frankfurt erwartet. Händler erwarten eine Zinssenkung um 50 Basispunkte, einige gehen sogar von 75 Basispunkten aus.

Sollte sich Greenspan zu einer nur verhaltenen Zinspolitik entscheiden, könnte der Aktienmarkt weiter einbrechen. Händler verweisen darauf, dass eine Zinssenkung um 50 Basispunkte bereits in den jetzigen Kursen enthalten sei. "50 Basispunkte nach unten sind schon längst eingepreist", sagte ein Händler. Sollte die Fed tatsächlich die Zinsen nur in diesem Umfang senken, könnte dies den Markt sogar enttäuschen und eine erneute Verkaufswelle auslösen. Dagegen sagten Analysten in den USA, bei einer Zinssenkung um 50 Basispunkte könnten möglicherweise Aussagen der Fed, dass die konjunkturelle Lage wieder ein wenig besser aussehe, den Markt trotzdem stimulieren.

"Wir haben eine Chance auf eine Korrektur, wenn die Fed die Zinsen um 75 Basispunkte senkt", sagte ein Börsianer. Aber selbst dann sei eine Erholung der Kurse ungewiss. "Wir haben hier schon oft eine Erholung versucht und es nicht geschafft", ergänzte er. Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse, sagte: "Es steht bei einer Zinssenkung um 50 Basispunkte zu befürchten, dass der Markt neue Tiefstände testen wird."

Auch Analyst Achim Schneider von Dresdner Bank geht davon aus, dass bei einer Senkung um 50 Basispunkte, die Aktienmärkte eher negativ reagieren dürften. Mit einer Erholung der Märkte rechnet der Experte im Laufe dieses Jahres. Sobald die Gewinnwarnungen der Unternehmen und die Revisionen der Analysten nach unten einen Boden fänden, sollte das positive Zinsumfeld wirken. Die US-Konjunktur sollte sich im zweiten Halbjahr wieder erholen.

Euro steigt über 90 Cent

Der Kurs des Euro ist in der Nacht zum Dienstag über die psychologisch wichtige Marke von 90 US-Cent gestiegen. Gegen 9.30 Uhr kostete die Gemeinschaftswährung 0,9043 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Montagnachmittag den Referenzkurs auf 0,8996 (Freitag: 0,8947) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,1741 (2,1860) Mark. Händler führten die Entwicklung auf Marktzurückhaltung angesichts der für den heutigen Dienstag erwarteten Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) zurück.