Börsenstimmung: Wie ein Regensturm - DER SPIEGEL
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Börsenstimmung Wie ein Regensturm

Bis zum Ende des Jahres sollte alles besser werden, hofften die Börsianer. Doch an den Märkten gibt es kaum Anzeichen für einen Umschwung, die Kurse purzeln einstweilen weiter in den Abgrund.
Von Bernd Dörries
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Die schlechten Nachrichten kommen wie ein Regensturm", sagte ein Händler in New York zu einer Woche, in der Einiges zusammen kam. Erst warnte Nokia, lange Liebling der Börsianer, vor schlechten Ergebnissen, lies die Nasdaq nach unten schlittern und riss andere Werte mit. Der Index sank auf dem tiefsten Stand seit April, viele Papiere liegen auf einem Zweijahrestief.

Heute gab Nortel dann noch bekannt, dass frühestens im Herbst 2002 wieder mit Gewinnen zu rechnen sei und zog die Kurse vollends in den Keller. Händler und Analysten sprachen daraufhin vom schlimmsten "Tech-Bashing" seit langem - die Technologiewerte beziehen Prügel. Die geplatzte Fusion von General Electric mit Honeywell gab den meisten dann den Rest. Und die ökonomischen Daten versprechen kaum Besserung. Das von der Federal Reserve veröffentlichte Beige Book sieht eine Stagnation in allen Bereichen des verarbeitenden Gewerbes. Der Thomson Financial Service beurteilte zwei Drittel der Ergebnisprognosen negativ. Von 743 Unternehmensprognosen für das laufende Quartal seien 483 negativ ausgefallen.

Kraft: Enttäuschender Börsengang

In solch einem Klima hatte auch der Börsengang von Kraft keine Chance. Händler und Analysten hatten gehofft, dass der größte amerikanische Lebensmittelproduzent die Serie misslungener Börsengänge durchbrechen könnte. Immerhin hatte Kraft trotz lahmender Konjunktur ein Wachstum von drei bis vier Prozent vorrausgesagt. Die Kraft-Papiere bewegten sich jedoch nur minimal über dem Ausgabewert. "Ein deutliches Zeichen, dass sich der Pessimismus in den Köpfen festgesetzt hat", sagte ein Händler.

Der deutsche Markt folge den Vorgaben aus New York und rauschte nach unten. Händler in Frankfurt sprachen von einem "Hexensabbat". Der Dax vergrößerte sein Minus und rutschte unter die 6000 Punkte Marke. Im Nemax 50 verloren die Aktien bis zum frühen Abend durchschnittlich 3,3 Prozent und drückten den Index auf 1469 Zähler.

"Es ist Gewinnwarnungssaison", sagt Peter Dombeck, Analyst bei der Berenberg Bank in Hamburg. Die schlechten Nachrichten aus den Unternehmen seien zwar durchaus erwartet worden, würden aber dennoch auf die Stimmung schlagen. Für Ende des Jahres erwartet Dombeck jedoch einen Umschwung an den amerikanischen Börsen. "Die Steuersenkungen der Bush-Administration und die Zinssenkungen der Fed werden sich auswirken", sagt Dombeck. Die Nachfrage werde wieder anziehen. Der zu erwartende Aufschwung werde dann auch die deutschen Börsen mitziehen, glaubt Analyst Dombeck. Bis dahin erwartet er für den Dax eine "Seitwärtsbewegung mit Schwankungen". Für Ende des Jahres sieht er aber ein Kurspotential von 6900 Punkten.

Japanische Verhältnisse

Noch tut sich aber nichts, die Kurse fallen weiter. An den amerikanischen Finanzmärkten wird daher erwartet, dass die Federal Reserve in diesem Monat das sechste Mal hintereinander die Zinsen senken wird. Viele Analysten sprechen schon von japanischen Verhältnissen. Die Zinsen sinken, ohne erkennbare Auswirkungen auf Konsum und Aktienkurse. "Es braucht eben seine Zeit, eine so große Volkswirtschaft auf einen neuen Kurs zu bringen", sagt ein Analyst. Es gilt das Prinzip Hoffnung.