Börsentendenz Fast ideale Verhältnisse
Selten hat wohl ein Freitag, der 13., für solch einen Börsenwirbel gesorgt, wie wir ihn am späten Freitagabend in New York erlebt haben. Der Dow Jones plus 1,6 Prozent, der S&P 500 plus 3,3 Prozent, der Nasdaq-Composite-Index plus 7,9 Prozent und der Nasdaq-Internet-Index sogar mit 9,1 Prozent im Plus. Und das an einem Tag, an dem die Konstellation der Sterne am Himmel zum ersten Mal seit 2000 Jahren wieder dieselbe Formation wie zu Christi Geburt aufgewiesen hat. Doch schaut man sich die Weltgeschichte seit dieser Zeit an, dann kann man durchaus wünschen, dass dieser Tag niemals stattgefunden hätte. Erst die frohe Botschaft - und dann nur noch der Krieg.
Werden wir an den Börsen demnächst Ähnliches erleben? Die Meinungen sind nach langen Zeiten der Uniformität, in denen kaum jemand mehr glaubte, dass es nicht immer weiter bergauf gehen könnte, wieder einer erfreulichen Vielfalt gewichen. Heute gibt es wieder echte Pessimisten. Diese sind zwar weitgehend einig mit den Bullen, dass wir in dieser Woche eine gute Börse erleben werden, sehen jedoch im Anschluss daran den Crash erst richtig beginnen.
Schaut man einmal auf den Chart, dann erinnert die Situation von heute sehr an die von 1929. Auch hier hatten wir es mit einer extremen Überspekulation zu tun, die jedoch von der Mehrheit der Marktteilnehmer nicht als solche wahrgenommen wurde. Dann platze die Blase, doch der Markt erholte sich wieder, und der überwiegende Tenor lautete: Nachkaufen! Überliefert ist uns in diesem Zusammenhang in besonderer Deutlichkeit die Durchhalteparole des weltberühmten Ökonomieprofessors Irving Fisher, der sich nur wenige Tage vor dem wirklichen Crash medienwirksam zu Worte meldete, dass die Aktien keinesfalls überbewertet seien.
Heute möchte ich nun - in grenzenloser Anmaßung - auch gerne einmal Fisher spielen, denn ich denke: Wir befinden uns gegenwärtig fast in einem Idealszenario für Aktien! Die Weltwirtschaft und die Weltfinanzen weisen zwar ähnliche strukturelle Schwierigkeiten auf wie zum Ende der zwanziger Jahre, doch ich bin ganz sicher, dass wir das Schiff heute noch wesentlich länger auf Kurs halten können als damals. Was danach allerdings passieren wird, ist freilich eine völlig andere Geschichte.
Ich sehe folgende Punkte als wichtigste an. Erstens: Der Überoptimismus an den Börsen ist einer gesunden Skepsis gewichen. Zweitens: Der Zinssteigerungsprozess scheint an seinem Ende angelangt zu sein. Derartige Phasen waren bisher immer gute Börsenphasen. Drittens: Die Inflation, der größte Feind einer guten Börsenentwicklung, ist tot. Der Hauptgrund findet sich in den Konkurrenzeffekten der Globalisierung, zu denen sich die konjunkturelle Abschwächung in den USA hinzugesellt. Auch die Ölpreise werden diese Entwicklung nicht konterkarieren können. Viertens: Die heftigen Schwierigkeiten der Börse im letzten halben Jahr bezogen sich fast ausschließlich auf die überbewerteten Technologieaktien, so dass wir nach der Bereinigung keinesfalls aus einer generellen, sondern nur aus einer partiellen Krise heraus durchstarten werden.
Favoriten für die nächste Zeit sind daher aus meiner Sicht auch keinesfalls die "gefallenen Engel" der letzten Monate, sondern die soliden Werte - und hier gerade diejenigen, die auf Grund des gefallenen Euros überproportionale Gewinnsteigerungen in den nächsten Quartalen aufweisen werden.