Börsenwoche Dax-Rückfall bis 6200 Punkte möglich
Frankfurt am Main - "Es dürfte in der kommenden Woche unruhig weitergehen. Man sollte das Pulver noch trocken halten", sagt Heinz-Gerd Sonnenschein, Aktienstratege bei der Postbank. Dennis Nacken von der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors pflichtet ihm bei: "Nervosität ist da, der Markt reagiert auf manche Daten sehr sensibel."
Die Aktienmarktexperten der Landesbank Berlin erwarten zwar keine längerfristige Abwärtsbewegung, "aber eine ungemütliche Börsenphase", in der es zu weiteren Kursverlusten kommen könne. "Beim Dax halten wir einen Rückfall bis zur Unterstützung bei 6200 Punkten für durchaus möglich", schrieben die Analysten in einem Marktkommentar. Zwar hat der deutsche Leitindex seit vergangenem Freitag sogar rund 1 Prozent gewonnen, aber von seinem Ende Februar erreichten Sechs-Jahres-Hoch bei 7040 Punkten ist der Dax mit momentan knapp 6700 Punkten immer noch weit entfernt.
Aktienstratege Ralf Grönemeyer von der Commerzbank hält es für möglich, dass auch der "Hexensabbat" in der kommenden Woche für kräftige Schwankungen sorgt. Am Freitag verfallen an den Derivatemärkten Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf Aktien. In der Regel schwanken die Aktienkurse vor diesem "Hexensabbat" bei überdurchschnittlichen Umsätzen stark, weil Anleger die Kurse der Aktien, auf die sie Derivate halten, in die von ihnen gewünschte Richtung bewegen wollen.
Trotz ihrer Vorsicht für die nächste Zeit sind die meisten Aktienexperten auf längere Sicht optimistisch gestimmt. "In Europa ist das Umfeld weiter sehr robust", stellt Nacken von Allianz Global Investors fest. Ähnlich sieht das Grönemeyer: "Eines darf man nicht vergessen: Die fundamentale Situation der Unternehmen hat sich zuletzt nicht geändert."
Bayer, Linde und Hypo Real Estate berichten
Zwar haben für die kommenden Woche noch einige Dax-Unternehmen wie etwa Linde (Montag), Hypo Real Estate (Mittwoch) und Bayer (Donnerstag) zu Bilanz-Pressekonferenzen geladen, marktbewegende Neuigkeiten erwarten Börsianer davon aber nicht. Auch aus der zweiten Reihe stellen Firmen wie MTU Aero Engines (Dienstag), Kali und Salz und Aixtron (beide Donnerstag) ihre Jahresberichte vor. Im Blickpunkt der Investoren dürfte in der kommenden Woche auch die Computermesse Cebit in Hannover stehen, die am Donnerstag ihre Tore öffnet.
Bei Eon dürfte das Ringen um den spanischen Versorger Endesa weiter eine Rolle spielen. Nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat die Regierung in Madrid ihre Zusage erneuert, die Übernahmepläne des deutschen Stromkonzerns nicht zu erschweren. Allerdings soll der italienische Konkurrent Enel einem Zeitungsbericht zufolge an einer Aufstockung seines Endesa-Anteils auf 29,9 Prozent interessiert, sein.
US-Konjunktur bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Auf der Konjunkturseite stehen eine Reihe von Daten aus den USA an, darunter die Einzelhandelsumsätze (Dienstag), der Index der Fed von Philadelphia (Donnerstag) und der vorläufige Index zum Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (Freitag). Der größte Unsicherheitsfaktor am Markt sei derzeit die weitere Entwicklung der Konjunktur in den USA, urteilen die Marktanalysten der Landesbank Berlin. Umso spannender dürfte sein, ob die Daten in der kommenden Woche Hinweise auf eine stärkere Abschwächung der US-Wirtschaft liefern oder nicht.
Aus Deutschland wird am Dienstag der Konjunkturbericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erwartet. Die Korrektur am Aktienmarkt dürfte sich in der Stimmung der Analysten niedergeschlagen haben, prognostizieren die Volkswirte der Commerzbank in einem Wochenausblick.
itz/mm.de/Reuters