Börsianer: US-Investoren steigen aus - DER SPIEGEL
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Börsianer US-Investoren steigen aus

Nach Ansicht von Börsenexperten spielt der Wahlausgang bei dem neuerlichen Kursrutsch nur eine untergeordnete Rolle. Viel schlimmer sei allerdings die antiamerikanische Stimmung, die Bundeskanzler Gerhard Schröder entfacht habe.
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Frankfurt am Main - Unter Händlern verstärke sich der Eindruck, dass finanzstarke Investoren aus den USA nach dem Wahlsieg von Schröder gerade den deutschen Markt meiden würden, sagte Johannes Reich, Leiter des Aktiengeschäftes beim Bankhaus Metzler in Frankfurt. Er nannte belastende Faktoren wie die Ablehnung eines Irak-Krieges oder die in der Endphase latent antiamerikanische Stimmung im Wahlkampf der SPD. Diese Kreise zögen daher Investitionen im eigenen Land vor, so Reich.

Die Börse befürchte nach dem Wahlsieg der Koalition eine Blockadepolitik durch die Opposition im Bundesrat, heißt es in einer schriftlichen Markteinschätzung der HypoVereinsbank. Stoibers Anmerkung, er rechne mit einem Scheitern der Regierung binnen Jahresfrist, könne als erstes Zeichen dafür gewertet werden.

Jahrelange Zitterpartie

Auch Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter schloss eine Belastung der Märkte nicht aus. Er sagte der Deutschen Welle, mit der Wiederwahl von Rot-Grün erwarte er keine Erholung an den Finanzmärkten. "Ich bin in Sorge, dass die ohnehin international sehr belasteten Finanzmärkte uns in der nächsten Zeit große Schwierigkeiten machen. Und dass der Umstand, dass Deutschland als wichtiger Architekt in Europa nicht funktioniert, negativ von den Märkten bewertet wird." Das knappe Ergebnis der Bundestagswahl sei nicht das von den Märkten erhoffte. "Was sie sich wohl gewünscht haben, ist eine klare Mehrheit mit nennenswertem Vorsprung. Aber das wird wohl für die nächsten Jahre eine Zitterpartie". so Walter.

Der Commerzbank-Wertpapierstratege Christoph Geyer ist dagegen der Ansicht, dass die Wahl für die Börse eine untergeordnete Rolle spiele. Allenfalls das knappe Ergebnis könnte die Märkte ein wenig beeinflusst und eine gewisse Unsicherheit hineingebracht haben. Aber: Entscheidend seien nach wie vor die alten Themen und das heiße Irak, latente Terrorängste und Unternehmensdaten, die enttäuschten. Auch Fondsmanager Hans-Joachim König von Union Investment sagte, die aktuelle Entwicklung sei nicht auf den Ausgang der Bundestagswahl, sondern vor allem auf die Irak-Krise zurückzuführen. Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der AllianzDresdner Gruppe, Michael Heise: "Der Ausgang der Wahl wird keine großen Auswirkungen haben an der Börse, zumal er von den meisten so erwartet worden ist.".

Gut für Öko, schlecht für Auto

Anders war die Situation am Neuen Markt: Die Aktien von Anbietern alternativer Energien haben nach dem Wahlsieg der rot-grünen Koalition erhebliche Kurssprünge verzeichnet. Als herausragende Ursache für die starke Nachfrage nach Umweltaktien machten Händler das Ergebnis der Bundestagswahl aus. "Unter Rot-Grün werden alternative Energien sicher stärker gefördert als unter einer unionsgeführten Regierung", sagte ein Frankfurter Händler.

Deutlich zulegten konnten am Montag bereits die Aktien der Windenergiefirmen Nordex  , Plambeck   und Umweltkontor  . "Jetzt haben wir Klarheit, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen unverändert bleiben", sagte Plambeck-Chef Wolfgang von Geldern mit Bezug auf die gesetzliche Förderung erneuerbarer Energien durch die Bundesregierung. Für den Fall einer Regierung mit Edmund Stoiber als Kanzler war befürchtet worden, dass die finanziellen Förderprogramme für solche Unternehmen zurückgeführt worden wären. Nun sei diese Unsicherheit jedoch aus dem Markt, fügte von Geldern hinzu. Analyst Henrik Lier von der WestLB sagte, auf längere Sicht sei eine im Vergleich zum Gesamtmarkt bessere Entwicklung der Papiere von Umwelt-Spezialisten zu erwarten.

Unter Druck dürften nach der Wahl dagegen die Aktien der Automobilhersteller wegen der ökologisch ausgerichteten Regierungspolitik geraten, die beispielsweise auch eine weitere Verteuerung von Benzin beinhalte, schrieb Chef-Analyst Karsten Rahlf von Vereins- und Westbank. Titel von Volkswagen  , BMW   und DaimlerChrysler   verloren am Montag zwei bis drei Prozent. Tendenziell werde sich zudem der Flugverkehr verteuern, was die Papiere der Lufthansa   und des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport   treffen dürfte. Gleichwohl geben auch bei der Kursentwicklung dieser Werte in erster Linie konjunkturelle Entwicklungen eine Rolle.