TELEKOM-AKTIEN Böse Überraschung
Damit hatte Telekom-Chef Ron Sommer nicht gerechnet. Monatelang hatten ihn die Analysten bedrängt, endlich die seit langem versprochene Akquisition in den USA vorzuweisen. Als Sommer dann am Montag vergangener Woche die Übernahme des Mobilfunkanbieters Voicestream offiziell bekannt gab, stürzte die Telekom-Aktie: Erst unter 50 Euro war der Kursrutsch zu Ende. Vor allem Privatanleger, die das Papier bei der jüngsten Staatsemission für 63,50 Euro erworben hatten, waren verschreckt. Seit dem Börsengang waren die Zeichner an Kursgewinne gewohnt. Inzwischen ist bei vielen Analysten der Schock über den enorm hohen Kaufpreis von 106 Milliarden Mark verflogen. Der kleinen US-Firma komme »ein bedeutender strategischer Wert zu«, urteilt das Investmenthaus Lehman Brothers und stuft die Telekom deshalb weiterhin als »Outperformer« ein. Andere Analysten, etwa bei Merrill Lynch oder Merck Finck, sind vorsichtiger und sehen in Sommers Telekom zurzeit nur noch ein Investment für langfristig orientierte Anleger. Doch das gilt inzwischen auch für viele andere Telekommunikationskonzerne. Ob AT&T, British Telecom oder die US-Firma Sprint, alle haben im Laufe der letzten Monate drastisch an Wert verloren und können vorerst auch nicht auf große Zuwachsraten hoffen. Nur der Mobilfunkanbieter Voicestream, dessen Wert sich in den letzten zwölf Monaten vervierfacht hat, war zuletzt noch ein echter Highflyer. Selbst nach dem Einstieg der Deutschen, urteilen die Analysten von Salomon Smith Barney, könnten Anleger dort noch mit einem »Aufwärtspotenzial von 35 Prozent« rechnen.