Bonität: S&P verpasst ThyssenKrupp Ramsch-Rating - DER SPIEGEL
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Bonität S&P verpasst ThyssenKrupp Ramsch-Rating

Löcher in der Pensionskasse bringen den Dax-Konzern ThyssenKrupp in arge Bedrängnis. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat das Schuldnerrating des Konzerns auf "Junk" gesenkt, die Aktie schmierte ab.
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Essen - Die renommierte Ratingagentur Standard & Poor's hat ThyssenKrupp   zum Wochenschluss in Turbulenzen gestürzt. Die Bonitätsprüfer senkten das Kreditrating des Industriekonzerns auf Ramsch-Status gesenkt. Der Anlass hierfür sind die hohen Pensionsverpflichtungen. Konzernchef Ekkehard Schulz kritisierte die Entscheidung auf der Hauptversammlung in Essen als "nicht nachvollziehbar".

Die Börse reagierte mit einem massiven Kursabschwung. Am Nachmittag fiel das Papier um rund sechs Prozent auf 9,34 Euro und war damit der größte Verlierer im Dax. Ein Händler bezeichnete die Abstufung als happig und stellte einen Zusammenhang zur rot-grünen Irak-Politik her: "Das wird uns wohl ganz gezielt in den kommenden Monaten noch mehrfach passieren, dass deutsche Firmen von US-Agenturen für die Bundespolitik abgestraft werden."

Ein anderer Börsianer wertete die Entscheidung als "kurios", vieles lasse die Entscheidung rätselhaft erscheinen. ThyssenKrupp biete eine erfreuliche Dividendenrendite von mehr als vier Prozent, die Verschuldung sei unter dem Strich stark zurückgefahren worden und am Markt stiegen die Stahlpreise, zählte er auf. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kommentierte die Herabstufung als "überflüssig". Ähnlich äußerte sich auch Schulz vor seinen Aktionären.

Ein Pensionär pro Arbeitnehmer

S&P-Analyst Olivier Beroud begründete seine Entscheidung mit den laufenden jährlichen Kosten der Pensionsverpflichtungen. "Unter Einbeziehung der ungedeckten Pensionslasten in der Kalkulation der Konzern-Verschuldung sind die vorbeugenden Maßnahmen für die Kredite schwach", urteilte Beroud. Deshalb sei die Einstufung der maßgeblichen langfristigen Kreditbewertung von "BBB" um zwei Stufen auf "BB+" gesenkt worden. Das kurzfristige Kreditrating wurde auf "B" von zuvor "A-2" gesenkt, das Emissionsrating für die ausstehenden ThyssenKrupp-Anleihen auf "BB" zurückgenommen.

ThyssenKrupp zahlt derzeit nach eigenen Angaben rund 170.000 Rentnern und Hinterbliebenen Pensionen und hat dafür Rückstellungen in Höhe von gut sieben Milliarden Euro gebildet. Ursache für diese Belastung ist das Verhältnis von Beschäftigten zu Pensionsempfängern. Es liegt fast bei eins zu eins und ist begründet in der hohen Zahl von Mitarbeitern in den Stahlbereichen der Vorgängerkonzerne Thyssen, Krupp und Hoesch.

Die Herabstufung werde ThyssenKrupp auf Grund höherer Finanzierungskosten mit knapp 20 Millionen Euro jährlich belasten, sagte Schulz auf der Hauptversammlung. Er erklärte, dass der Konzern bis 2005 durchfinanziert sei und keinen Refinanzierungsbedarf habe.

Merrill Lynch stuft Aktie ab

Böses Erwachen bei ThyssenKrupp

Die S&P-Entscheidung sei nicht zu verstehen, kritisiert Schulz. Der Konzern habe in den vergangenen beiden Jahren seine Finanzschulden von 8,7 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden Euro gesenkt und gleichzeitig das Ergebnis verbessert. Dies alles zähle aber offenbar nicht, weil S&P mitten im Spiel die Beurteilung von Pensionsverpflichtungen geändert habe, so Schulz weiter.

Der ThyssenKrupp-Chef bezifferte die aktuellen Pensionszahlungen auf gut 400 Millionen Euro pro Jahr. Diese Belastung werde sich mittelfristig nicht wesentlich verändern. Ab 2007 sei sogar von einem stetigen Rückgang der Belastung auszugehen.

Der Konzern sei auf dem richtigen Weg, sagte Schulz. Trotz der gedämpften Konjunkturerwartungen rechne ThyssenKrupp für das Geschäftsjahr 2002/2003 mit einer deutlichen Verbesserung des Ergebnisses. Außerdem halte der Konzern an seinem Ziel fest, im Geschäftsjahr 2003/2004 einen Vorsteuergewinn in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Dies wäre doppelt so viel wie im abgelaufenen Geschäftsjahr.

Auch Merrill Lynch prügelt die Aktie

Ungeachtet der Durchhalteparolen von Schulz haben sich die Analysten von Merrill Lynch der negativen S&P-Einschätzung angeschlossen. Die Merrill-Wertpapierexperten haben die Aktie am Freitag mit dem Rating "Verkaufen" eingestuft und dabei auf die schwierige Finanzsituation des Konzerns hingewiesen. Zudem sei die Aktie im Branchenvergleich nicht attraktiv bewertet.

Die Rating-Einstufung ist bedeutend für ein Unternehmen, weil sie die Höhe der Zinsen beeinflusst. Je positiver sich die großen Agenturen wie S&P, Moody's oder Fitch äußern, desto geringer wird das Risiko eingeschätzt – dementsprechend niedrige Zinsen müssen am Kapitalmarkt bedient werden.

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