Boomland China Wachstumsbremsen beginnen zu wirken
Shanghai - Die chinesische Wirtschaft sei im zweiten Quartal um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen, teilte die Regierung in Peking mit. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung noch um 9,8 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. Für das erste Halbjahr kamen die Statistiker auf 9,7 Prozent Wachstum.
Diese Rate liegt deutlich unter den 10,6 Prozent, die Analysten prognostiziert hatten. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Bemühungen der Regierung zu wirken beginnen, die das Wachstum zügeln will, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden. Deren angepeilte Marke liegt bei 7 Prozent in diesem Jahr.
Die Wirtschaftsleistung belief sich den Angaben zufolge im ersten Halbjahr auf 5,9 Billionen Yuan (rund 580 Milliarden Euro). Die Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum um 3,6 Prozent. Bei einem Anstieg auf über 5 Prozent hätte die Zentralbank nach Angaben der Regierung erstmals seit neun Jahren wieder eine Zinserhöhung ins Visier genommen. Im vergangenen Jahr war die chinesische Volkswirtschaft um 9,1 Prozent gewachsen.
Ben Simpfendorfer, Analyst bei JP Morgan, sieht in dem etwas verlangsamten Wachstum im zweiten Quartal ein gutes Zeichen: "Es ist weniger, als wir erwartet haben, aber nicht dramatisch weniger. Die Zahlen sprechen unserer Ansicht nicht für eine harte Landung. Aber sie zeigen, dass sich die Investitionen vor allem im Juni deutlich schwächer entwickelt haben."
Die chinesische Regierung versucht derzeit, die Bau- und Investitionstätigkeit behutsam zu bremsen. So hat sie beispielsweise strengere Richtlinien bei der Ausweisung von Land für gewerbliche Immobilien verabschiedet. Nach den offiziellen Juni-Zahlen gibt es bei den Direktinvestitionen aus dem Ausland allerdings noch keine Anzeichen einer Abschwächung. Diese sind im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14 Prozent auf 7,97 Milliarden Dollar gestiegen.
Das rasante Wirtschaftswachstum vor allem in der Stahl-, Zement- und Bauindustrie hat zu Engpässen in den Bereichen Energie und Verkehr geführt und die Preise nach oben getrieben.