Branchengerüchte: Microsoft soll über Yahoo-Sahnestückchen verhandeln - DER SPIEGEL
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Branchengerüchte Microsoft soll über Yahoo-Sahnestückchen verhandeln

Es ist angeblich wieder Bewegung in den Gesprächen zwischen Microsoft und Yahoo - trotz Steve Ballmers klarer Ansage, das Thema Übernahme sei vom Tisch. Wie das möglicherweise gemeint war, offenbart ein Bericht der "Sunday Times": Interesse hat Microsoft demnach nur noch an Yahoos Filetstücken.
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Satte 20 Milliarden Dollar, berichtet die britische "Sunday Times", will es sich Microsoft angeblich kosten lassen, das Filetstück des Unternehmens Yahoo zu übernehmen: die Suchmaschine. Die gilt als letzte ihrer Art, die dem Branchenprimus Google überhaupt noch in prozentual erwähnenswerter Größenordnung Konkurrenz macht. Laut den Statistikern von Net Applications hält Yahoo noch einen Marktanteil von knapp 10,5 Prozent. Die Suchmaschine gilt darum als Yahoos Tafelsilber.

Und über das, behauptet die "Sunday Times", werde wieder verhandelt. Interesse an einer wie auch immer gearteten Kooperation bei der Suche im Web hatte Microsoft schon vor Wochen signalisiert, als die Kartellbehörden der USA eine Kooperation von Yahoo mit Google verboten.

Jetzt zeichnet sich ab, wie die aussehen könnte: Microsoft würde Yahoos neues Management-Team unterstützen, geleitet vom ehemaligen AOL-Manager Jonathan Miller und Ross Levinsohn, einst im Management von Fox Interactive. Deren Dienstantritt wäre zugleich das Ende der CEO-Tätigkeit von Yahoo-Gründer Jerry Yang. Der aber gilt aus Microsofts Sicht als Hindernis für einen Deal zwischen den Firmen, seit er Microsoft im Frühjahr mit einer 47,5-Milliarden-Dollar-Offerte abblitzen ließ. Yahoos Wert an den Börsen ist seitdem um zwei Drittel gefallen.

Entsprechend preiswert sähe der Einstieg für Microsoft nun aus: Gegen ein Investment von fünf Milliarden Dollar erhielte Microsoft für zehn Jahre die volle Kontrolle über das Suchgeschäft. Zusammen mit dem neuen Management-Team würde Microsoft über eine Holding rund 30 Prozent der Yahoo-Aktien kontrollieren und erhielte zudem eine zwei Jahre gültige Kaufoption für das Suchgeschäft, für das dann insgesamt 20 Milliarden Dollar zu zahlen wären.

Zweifel an den angeblich wieder laufenden Gesprächen gibt es kaum: Spätestens seit Yahoo-Großaktionär Carl Icahn vor einigen Tagen sein Aktienpaket aufstockte, brummte es in der Gerüchteküche. Der taumelnde Internet-Riese Yahoo, dessen Wert im freien Fall ist, seit der nur noch kommissarisch das Unternehmen lenkende Yahoo-Gründer Jerry Yang eine 47,5-Milliarden-Offerte von Microsoft ausschlug, schien doch nicht ganz verloren.

Microsofts Plan: Yahoo an der Leine

Jetzt also soll Microsoft über die Einzelheiten der 20-Milliarden-Dollar-Offerte verhandeln, die den Restwert des Unternehmens Yahoo nach einer möglichen Abspaltung des Suchgeschäftes freilich kräftig mindern würde. Dass auch andere Angebote von Yahoo genutzt werden, liegt natürlich vor allem an der Suche: Dienste wie E-Mail, Nachrichten-Aggregation, Routenplaner und was auch sonst sind typische Me-toos, keine eigenständig denkbaren Produkte. Man surft nicht zu Yahoo, um die dort zu nutzen, man nutzt sie bei Yahoo, weil man sie dort eben auch findet, während man sucht. Sie besitzen kaum ein Alleinstellungsmerkmal, solche Dienste bieten viele im Netz.

Anders sieht das beim populären Fotodienst flickr aus, den sich Yahoo 2005 einverleibte: Die Seite ist auch losgelöst von Yahoo zu vermarkten, auch sie gilt als Filetstück, das bisher freilich wenig zur Bilanz von Yahoo beisteuert.

Insofern wäre der Deal für beide Unternehmen vorteilhaft und darum plausibel: Im Rahmen einer finanziell attraktiv ausgestatteten Kooperation könnte das Unternehmen weiter die Zugkraft der Suchmaschine nutzen, seine anderen Dienste an den Mann zu bringen. Microsoft würde sich zum Schnäppchenpreis in Googles letzten Großkonkurrenten einkaufen und übernähme dort die Kontrolle, ohne zunächst mehr als fünf Milliarden Dollar auf den Tisch legen zu müssen. Erst, wenn sich der Deal als vorteilhaft erwiese, könnte Microsoft binnen zwei Jahren nachlegen.

Der Zugriff auf die Suchmaschine dürfte schon das Hauptmotiv für die 47,5-Milliarden-Offerte vom Frühjahr gewesen sein. Microsoft bemüht sich seit Mitte der neunziger Jahre, auch im Internet eine Marktposition zu erreichen, die seinem Standing in der PC-Welt entspricht - bisher mit relativ wenig Erfolg. Mehrere Relaunches seiner eigenen Suchdienste verpufften weitgehend ohne Wirkung. MSN Search soll derzeit einen Marktanteil um 3,5 Prozent weltweit halten.

Die Kombination der Yahoo-Suchdienste mit denen von Microsoft würde einen Brocken mit deutlich über 15 Prozent Marktgewicht schaffen. Yahoo kontrolliert auch den Suchmaschinen-Altstar Altavista sowie das Search-Vermarktungsnetzwerk von Overture. Microsoft verfügt neben MSN Search auch noch über Live Search, beide Dienste sind eng verbunden und werden nur als Frontmarken eigenständig geführt. Der Dienst hat sich am Markt aber bisher nicht durchsetzen können und wird in Kürze wohl wieder einmal umbenannt. Sein Marktanteil soll aktuell bei rund 1,5 Prozent liegen.

pat