Britischer Flughafenbetreiber BAA verschmäht Offerte
London - Flughäfen sind ein heiß begehrtes Investment. Immer öfter findet ein heißer Wettlauf um die Betreibergesellschaften statt, die zudem nach und nach privatisiert werden. Erst im Februar hatte die britische BAA 75 Prozent des Flughafens Budapest für stolze 1,86 Milliarden Euro gekauft - sehr zum Unmut der deutschen Betreibergesellschaft Fraport, die genau wie der Baukonzern Hochtief und die australische Bank Macquarie ebenfalls Interesse angemeldet hatten.
Jetzt sieht sich die größte Flughafengesellschaft der Welt BAA selbst einer Übernahmeattacke ausgesetzt: Das Gebot eines Konsortiums unter der Führung von Ferrovial belaufe sich auf 8,8 Milliarden Pfund (rund 12,7 Milliarden Euro) und damit auf 810 Pence je Aktie, teilte BAA heute mit.
Doch das Board des Konzerns hat der Offerte bereits eine Absage erteilt. Es sei nicht im Interesse der Aktionäre, Übernahmegespräche mit Ferrovial aufzunehmen, erklärte der Konzern. Zum Übernahmekonsortium gehören außer dem spanischen Baukonzern mit einer Beteiligung von mehr als 60 Prozent die kanadische Pensionskasse Caisse de depot et placement du Quebec und eine Investmentgesellschaft unter Führung der Singapurer GIC Special Investments.
Mit der Absage sei das letzte Wort sicherlich noch nicht gesprochen, erklärt Helaba-Trust-Analyst Mario Kristl. Die Offerte sei schlicht zu niedrig, deshalb habe BAA auch gleich Nein gesagt. "Die wollen den Preis hochtreiben." Und das Ferrovial-Konsortium wolle erst einmal abwarten, ob ein anderes Unternehmen ein Gegenangebot macht, um dann noch nachlegen zu können - auch wenn Ferrrovial heute erklärte, man halte das Angebot für "sehr attraktiv". Tatsächlich lag das Gebot weit unter den Erwartungen der Analysten.
Bis zu einem Preis von 900 Pence je Wertpapier sei der Deal für beide Seiten noch ein gutes Geschäft, erklärt Kristl. BAA sei ein äußerst attraktives Unternehmen - allein in Großbritannien betreibt der Konzern sieben Flughäfen, darunter die nahe London gelegenen Flughäfen Heathrow, Stansted und Gatwick. Weltweit ist das Unternehmen an rund einem weiteren Dutzend Flughäfen beteiligt. Der Luftverkehr ist außerdem ein ausgesprochen lukratives Investitionsgebiet - Branchenkennern zufolge wird dieses Geschäft noch mindestens ein Jahrzehnt lang um vier bis fünf Prozent jährlich wachsen.
Ängstliche Reaktionen in London
Die Übernahme-Pläne der Spanier haben auch in der britischen Politik teils zu ängstlichen Reaktionen geführt. Unter anderem sorgt man sich in London um die Großprojekte zum Ausbau des Londoner Flughafens, die BAA derzeit in Planung hat. Analyst Kristl glaubt trotzdem nicht, das der Staat gegen die Pläne der Spanier vorgehen wird. "Es hat schon seit langem Stimmen in Großbritannien gegeben, die ein Aufbrechen des Quasimonopols von BAA gefordert haben." Sicherlich werde das Ferrovial-Konsortium nach der Übernahme von BAA einige Flughäfen weiterverkaufen. Formal kann die britische Regierung ohnehin kein Veto einlegen: Auf seine "Goldene Aktie", die ihr dazu das Recht gab, hat der Staat vor zwei Jahren verzichtet.
Auch die Ablehnung des BAA-Boards hält Kristl nicht für endgültig: "Die wollen in meinen Augen nur den Preis nach oben treiben." Für den Baukonzern Ferrovial würde die Übernahme den Ausbau des lukrativen Flugzeuggeschäfts bedeuten. Schon jetzt gehören zum Portfolio des Baukonzerns unter anderem die Airports Belfast, Bristol und Sydney, die Ferrovial teils zusammen mit Macquarie, betreibt. Kristl rechnet aber damit, dass ein anderes Unternehmen noch ein Gegenangebot unterbreiten wird: "Das ist die größte Betreibergesellschaft der Welt, das will sich niemand einfach entgehen lassen." Macquarie etwa wird ebenfalls ein Interesse an BAA nachgesagt. Auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat signalisiert, an einer Beteiligung an BAA interessiert zu sein.
ase/Reuters/Dow Jones