Brodelnde Gerüchteküche Microsoft schielt auf SAP
Wien - "Wir kommentieren generell keine Marktgerüchte", sagte Shai Agassi, Vorstand Technologie und Produktentwicklung bei SAP, heute am Rande einer Veranstaltung des Unternehmens in Wien. Mit ganz anderem Unterton äußerte sich dagegen sein Kollege Bill McDermot, CEO der SAP-Nordamerikasparte: McDermot hatte Ende der vergangenen Woche erklärt, dass die Umwälzungen in Folge der Übernahme von Siebel durch Oracle Microsoft und SAP am Markt näher als Partner zusammenbrächten. "Ich würde es als eine wichtige strategische Partnerschaft bezeichnen", sagte McDermott.
Anlass für Spekulationen ist reichlich vorhanden. Allein in der ersten Septemberwoche haben wichtige Konkurrenten ihre Basis weiter ausgebaut: Ebay kaufte Skype, Oracle schluckte seinen Rivalen Siebel Systems . Allein diese Übernahmen repräsentieren einen Wert von rund zehn Milliarden Dollar - vorausgesetzt, sie werden von den Wettbewerbshütern abgesegnet.
Um sein Wachstum auf die Dauer sicher zu stellen, wird Microsoft über kurz oder lang gezwungen sein zu handeln. Die Übernahme von SAP betrachten Experten als einen logischen Schritt, weil das Unternehmen die Microsoft-Geschäftsbereiche gut ergänzt. Außerdem könnten Kosten gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Oracle oder IBM und den vielen kleinen Wettbewerbern gestärkt werden. Denn vor allem den kleinen Anbietern ist es in der jüngsten Vergangenheit gelungen, Kunden mit maßgeschneiderten Software-Lösungen zu gewinnen.
Hinzu kommt, dass SAP und Microsoft bereits vor zwei Jahren erste Bande für eine Liaison geknüpft hatten. Die Gespräche damals wurden zwar abgebrochen, aber angesichts der aktuellen Konsolidierungen erscheinen neue Verhandlungen durchaus plausibel.