Browser-Krieg: AOL verklagt Microsoft - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Browser-Krieg AOL verklagt Microsoft

Im Rechtsstreit um die Einbindung des Internet Explorer in das Windows-Betriebssystem bekommt Microsoft-Chef Bill Gates eine neue Klage an den Hals. Hauptkonkurrent AOL will Schadenersatz und eine einstweilige Verfügung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - In der Klageschrift wird Microsoft vorgeworfen, Windows widerrechtlich mit dem Internet Explorer verknüpft und damit versucht zu haben, den Netscape-Browser vom Markt zu verdrängen. AOL, das Netscape 1999 übernommen hatte, strebt nach eigenen Angaben eine einstweilige Verfügung zum sofortigen Stopp des "wettbewerbswidrigen Verhaltens" sowie Schadenersatz an. Die Höhe der Forderungen wurde bisher nicht genannt.

Das Unternehmen stützt sich in seiner Klage auf Urteilssprüche im Kartellprozess der US-Regierung und mehrerer Bundesstaaten, in denen Microsoft tatsächlich Kartellverstöße bescheinigt worden waren. Nach Ansicht von Beobachtern reichte AOL die Klage ein, um eine außergerichtliche Einigung zu verhindern, die von Microsoft vorgeschlagen und von mehreren US-Staaten akzeptiert wurde. Der Softwarekonzern hatte angeboten, sich durch eine großzügige Unterstützung amerikanischer Schulen von weiteren Prozessen freizukaufen. Kritiker dieser Einigung sahen darin allerding nichts anderes als einen Marketing-Schachzug des Computergiganten. "AOL muss sich über die Einigung fürchterlich aufgeregt haben, wenn nun so eine Klage eingereicht wird", sagte Rechtsprofessor Andrew Gavil der "New York Times".

Während die Regierung und mehrere Bundesstaaten danach einem Vergleich zur Beilegung des Rechtsstreits zugestimmt haben, kämpfen neun US-Staaten für eine strengere Bestrafung des Software-Konzerns.

AOL reichte die Klage am Dienstag beim Bezirksgericht in Washington ein. AOL-Vizepräsident John Buckley sagte: "Diese Aktion ist ein Versuch, Gerechtigkeit in die Sache zu bringen."

Microsoft-Sprecher Jim Desler reagierte darauf mit einer Attacke gegen AOL: "Während Microsoft in neue Produkte investiert, steckt AOL Geld in Anwälte und Lobbyisten, um Microsoft Steine in den Weg zu legen. AOL sollte endlich das Missmanagement bei Netscape zugeben."