Bündnis mit Arena: Börse feiert Premiere - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Bündnis mit Arena Börse feiert Premiere

Das überraschende Comeback des Bezahlsenders Premiere sorgt an der Börse für Hochstimmung: Das Bündnis mit Erzrivale Arena treibt den Kurs der Aktie um zeitweise mehr als 20 Prozent nach oben. Doch das Kartellamt hat Bedenken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Premiere kann die Fußball-Bundesliga künftig über Satellit wieder in ganz Deutschland vermarkten. "Premiere   ist für Bundesliga-Fans wieder die erste Adresse", sagte Konzernchef Georg Kofler heute in München. Das Unternehmen hatte zuvor eine Allianz mit Arena bekannt gegeben. Im Zuge der Vereinbarung übernimmt Arena 16,7 Prozent der Premiere-Anteile.

Die Börse feierte die Nachricht. Am Nachmittag notierte die Premiere-Aktie bei 18,00 Euro - ein Plus von 19 Prozent zum Schlusskurs vom Vortag. Das beflügelte auch den Aktienindex der mittelgroßen Werte MDax  , in dem das Premiere-Papier notiert ist: Erstmals in seiner elfjährigen Geschichte sprang der Index über 10.000 Punkte.

Vor wenigen Monaten sah das noch ganz anders aus: Damals war die Premiere-Aktie regelrecht abgestürzt - und zwar ausgerechnet wegen Arena. Der Neuling hatte Premiere in einem spektakulären Bieterwettbewerb die Bundesliga-Rechte ab der laufenden Saison weggeschnappt. Unter anderem deswegen machte Premiere im vergangenen Jahr einen Verlust von 161,5 Millionen Euro.

Für beide Unternehmen ergab sich nun das Problem, dass Arena die Rechte, Premiere aber die technischen Plattformen und die Kundenbasis hatte. Daher verbreitete Premiere das Arena-Angebot in einigen Bundesländern bereits über Kabel. Nun wird die Kabelverbreitung ausgeweitet. Zudem ist Premiere künftig flächendeckend über Satellit vertreten. Als Folge erhöhte der Bezahlsender seine Prognosen für die Jahre 2007 und 2008. "Wir haben neue Wachstumschancen", sagte Kofler.

Ein unternehmerischer Einfluss von Arena bei Premiere soll ausgeschlossen werden, indem die Anteile von einem unabhängigen Finanzinstitut verwaltet werden. Dadurch wollen die beiden Konkurrenten Kartellproblemen aus dem Weg gehen.

Ganz so einfach dürfte es aber nicht werden. So hat das Bundeskartellamt noch nicht entschieden, ob die Vertriebsvereinbarung zwischen Premiere und Arena bei den Wettbewerbshütern zur Prüfung angemeldet werden muss. Die Anwälte der beteiligten Parteien hätten sich bereits beim Kartellamt gemeldet, um die Pläne vorzustellen, sagte ein Sprecher. Die Behörde wolle nun in Diskussionen mit Arena und Premiere prüfen, ob die Transaktion angemeldet werden muss.

Noch kritischer äußerte sich die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Sie kündigte eine Prüfung der Arena-Premiere-Vereinbarung an. "Das wird man sich genau anschauen müssen", sagte KEK-Geschäftsführer Bernd Malzanini. "Da tun sich zwei Pay-TV-Anbieter zusammen und ein Kabelnetzbetreiber ist auch noch mit dabei", begründete er das Vorgehen der Medienwächter.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hingegen begrüßte die Einigung von Arena und Premiere. "Für die Fußball-Fans wird nun einiges einfacher", sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung. "Nach den Informationen, die der DFL vorliegen, befindet sich die Kooperation der beiden Unternehmen im Rahmen des vertraglich und rechtlich Möglichen." Die Zusammenarbeit der beiden Konkurrenten zeige, dass Bundesliga-Live-Fußball die Voraussetzung für erfolgreiches Pay-TV sei.

Auch Arena will von dem Bündnis profitieren. "Durch die zusätzlichen Zuschauer und die resultierenden Einnahmen aus den von Premiere vermarkteten Abos stärken wir unsere Position als Sender nochmals signifikant", sagte Arena-Geschäftsführer Dejan Jocic. Der Sender will nun im zweiten Halbjahr erstmals operativ schwarze Zahlen schreiben. Zudem sei das Ziel, bis Ablauf des Bundesliga-Vertrags in zweieinhalb Jahren drei Millionen Abonnenten zu gewinnen, nun leichter erreichbar, sagte Parm Santhu, Chef des Arena-Gesellschafters Unity Media.

wal/dpa/Reuters/Dow Jones

Verwandte Artikel