Bund will 120 Millionen von der Dresdner Bank - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 29 / 113

KREDITINSTITUTE Bund will 120 Millionen von der Dresdner Bank

• aus DER SPIEGEL 26/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Dresdner Bank muss möglicherweise 120 Millionen Euro Steuergelder an die Bundesrepublik Deutschland und den Freistaat Bayern zurückzahlen. Die Forderung ist eine neue Facette im Wirtschaftskrimi um den bayerischen Mittelständler Reiner Pilz, der nach der Wende eine CD-Fabrik in Thüringen errichtet hatte. Für das Projekt hatte die Bank einen Kredit über 240 Millionen Mark arrangiert, für den die damalige Treuhandanstalt sowie die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) bürgten. Als Pilz 1993 vor der Insolvenz stand, stellte die Bank die Bürgschaft fällig und die Steuergelder wurden ausgezahlt. Bankinterne Papiere, die in einem Strafprozess gegen Pilz auftauchten und dem SPIEGEL vorliegen, belegen nun, dass ein Teil der Kreditsumme - mit Wissen der Bank - gar nicht für die CD-Fabrik verwendet werden sollte. Knapp 30 Millionen Mark waren für eine Steuerzahlung des Unternehmers Pilz vorgesehen, weitere 11 Millionen sollten das Eigenkapital einer anderen Pilz-Firma stärken. Damit wurde nach Meinung der staatlichen Anstalten der Bürgschaftsvertrag verletzt. Die LfA hat den von ihr bezahlten Bürgschaftsbetrag, rund 40 Millionen Euro, bereits zurückgefordert, lehnt jedoch jede Stellungnahme dazu ab. Die Treuhandnachfolgerin BvS bestätigt lediglich, dass sie mit der Dresdner Bank diesbezüglich in Schriftverkehr stehe. Sollte es zu keiner Einigung kommen, müssten die Beamten das Geld einklagen, um sich nicht dem Verdacht der Untreue auszusetzen. Die Dresdner, eine Tochter der Allianz, bestreitet die Rechtmäßigkeit der Forderung. Allerdings wird wegen dieses Vorgangs gegen verschiedene Manager der Bank - darunter den heutigen Vorstandschef Bernd Fahrholz - ermittelt.

Zur Ausgabe
Artikel 29 / 113

Mehr lesen über