Bundes-Genossen
Bonns Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller baut darauf, daß seine Gesinnungsfreunde die Ende September in Washington stattfindende Weltwahrungskonferenz beherrschen. Turnusgemäß fällt dem Freund freier Wechselkurse der Vorsitz des Mammut-Meetings zu, auf dem die überfällige Reform der internationalen Währungsordnung beraten wird. Verläßt Schiller seinen Präsidentenstuhl, um als deutscher Delegationschef zu sprechen, vertritt ihn Bundesbank-Chef Karl Klasen als Vizepräsident. Die entscheidenden Gespräche im sogenannten Zehner-Klub, dem die führenden westlichen Industrienationen angehören, werden vom kanadischen Finanzminister Edgar Benson geleitet, der wie sein deutscher Kollege ein Anhänger des Floatens ist. Als Frankreichs Finanz-Chef Giscard d"Estaing sich unlängst bei seinem deutschen Kontrahenten mokierte, nun fehlten nur noch die freihändlerischen Holländer in einer Spitzenposition, konterte Schiller: »Nein, da gibt es noch Herrn van Lennep, der die OECD-Delegation in Washington führt.«