Bundesbank Kein Dauer-WM-Effekt zu erwarten
Berlin - Trotz der guten Stimmung wird es nach Ansicht von Experten keinen dauerhaften WM-Effekt auf die Konjunktur geben. "Eine prima Fußball-WM allein kann eine Volkswirtschaft nicht in Schwung halten", sagte Bundesbankpräsident Axel Weber der Zeitung "Die Welt". "Die jetzige gute Stimmung ist ein kurzfristiges Phänomen." Entscheidend seien aber die langfristigen Trends.
Der Bundesbank-Präsident warnte vor den Folgen der geplanten Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr. "Wir wissen aus Erfahrung, dass solche Steuererhöhungen sehr stark dämpfend auf den privaten Verbraucher wirken", sagte Weber. Zusätzlich zu den hohen Ölpreisen werde das 2007 die Einkommens- und Preisperspektiven deutlich belasten. Preissprünge als direkte Folge einer Mehrwertsteuererhöhung seien für eine Notenbank dabei nicht so wichtig. Entscheidend seien vielmehr die Lohnverhandlungen, die im Jahr 2007 unter dem Eindruck dieser steuerbedingten Preiserhöhungen einsetzen würden. "Es ist wichtig, dass der Kaufkraftentzug durch die gestiegenen Ölpreise und das Mehr an Steuern und Abgaben nicht über Lohnerhöhungen kompensiert wird", sagte Weber.
Auch Metro-Vorstandschef Hans-Joachim Körber warnte vor den Belastungen einer Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr. "Die Zeche werden am Ende auf jeden Fall vor allem die Verbraucher zahlen", sagte er dem Blatt. Angesichts der geringen Margen im deutschen Handel sei klar, dass die Mehrwertsteuererhöhung zu einem großen Teil an die Konsumenten weitergegeben werden müsse.
Hingegen verteidigte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger die geplante Maßnahme. So sei es aus Ökonomensicht durchaus sinnvoll, die Einnahmenbasis zu verbreitern. "Allerdings wäre es besser gewesen, die Regierung hätte die Mehrwertsteuer schrittweise über drei Jahre erhöht und nicht auf einen Schlag", monierte Bofinger. Angesichts künftiger Belastungen und der nach wie vor schwachen Binnenkonjunktur sprach er sich zudem für stärker steigende Löhne aus, um den Konsum anzukurbeln. Deutschland benötige ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent, damit auch der Arbeitsmarkt wieder in Schwung komme.
tim/ddp