Bundesbank-Kritik: Exportweltmeister-Titel wird oft überschätzt - DER SPIEGEL
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Bundesbank-Kritik Exportweltmeister-Titel wird oft überschätzt

Wann immer über die Schwächen des Standortes Deutschland geredet wird, heißt es schnell, Deutschland sei doch schließlich "Exportweltmeister" - die Lage könne also gar nicht so schlimm sein. Die Bundesbank aber warnt nun davor, diesen Ehrentitel überzubewerten.
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Frankfurt am Main - Die Erfolge auf den Auslandsmärkten könnten nur eingeschränkt als Qualitätsmerkmal für den Standort interpretiert werden, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für den März. Zwar stelle "das kräftige Ausfuhrwachstum in den letzten Jahren ... gewiss einen Beleg für die nach wie vor hohe Leistungsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft dar". Der Titel "Exportweltmeister", den Deutschland im Jahr 2005 zum dritten Mal in Folge erreichte, beziehe sich aber nur auf den Warenhandel. Unter Einbeziehung der Dienstleistungen hätten die USA den ersten Platz inne.

Nach Einschätzung der Bundesbanker gibt es zwei Gründe für die Annahme, dass Deutschland im internationalen Standortwettbewerb zurückgefallen ist. Nach der Wende in Mittel- und Osteuropa habe insbesondere die Attraktivität der EU-Beitrittsländer für Direktinvestitionen zugenommen, schreiben sie. Zudem hätten sich die Investitionsbedingungen in vielen außereuropäischen Schwellenländern, insbesondere in China, in den vergangenen Jahren stark verbessert.

Hinzu komme: Der seit Beginn des Jahrhunderts zu beobachtende Anstieg des deutschen Leistungsbilanzüberschusses sei mit einem Rückgang der Netto-Investitionsquote einhergegangen. Die Sparquote sei 2005 trotz des beachtlichen Anstiegs in den letzten Jahren aber immer noch niedriger als zu Beginn der neunziger Jahre. Dies spricht der Bundesbank zufolge dafür, dass in Deutschland eher eine Unterinvestition als eine Überersparnis vorliegt.

Der kräftige Anstieg der deutschen Importe von 8,5 Prozent im vergangenen Jahr reflektiert der Bundesbank zufolge vor allem gestiegene Energie- und Rohstoffpreise sowie den schwächeren Euro-Kurs. "Der mit dem Energiepreisanstieg verbundene Kaufkraftentzug in Deutschland betrug im Jahr 2005 rund 0,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts", erklärte die Bundesbank. Damit lag der Verlust aber wesentlich niedriger als zu Zeiten der Ölkrisen in den siebziger und achtziger Jahren. Grund dürfte der effizientere Umgang mit Energie in Deutschland sein.

itz/dpa-AFX/Reuters