Bundesliga Stoiber stellt Clubs Kirch-Millionen in Aussicht
Berlin - Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye nahm die Steilvorlage dankbar auf. Die Bundesregierung sehe derzeit keinen Handlungsbedarf, Bundesligavereinen mit Bürgschaften angesichts der drohenden Kirch-Pleite über die Runden zu helfen, sagte er. Die Steilvorlage kam von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. Dieser hatte zuvor gesagt, er habe "klare Signale", dass die Vereine zum 15. Mai mit der 100-Millionen-Rate von Kirch rechnen könnten.
Über die weitere Entwicklung in der nächsten Saison werde zwischen den Beteiligten gesprochen werden, sagte der Ministerpräsident, der dem Verwaltungsbeirat des deutschen Meisters Bayern München vorsitzt. Er sprach von einem "klaren Signal der Sicherheit für die Bundesliga".
Heye beeilte sich, damit das Thema "Bundesliga-Bürgschaften" wieder vom Tisch zu fegen. In den vergangenen Tagen war es deshalb innerhalb der Regierung zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Ganz ausschließen wollte der Regierungssprecher ein Engagement des Staates allerdings noch nicht. Auf die Frage, was bei Nichtzahlung der Tranche passiere, sagte er: "Dann haben wir ein Problem." Die Frage der Bürgschaften könne dann wieder aktuell werden.
In der "Bild"-Zeitung wies Schröder-Herausforderer Stoiber den Vorschlag der Bürgschaften scharf zurück. Der Plan des Bundeskanzlers und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (beide SPD) sei ein "absoluter Rohrkrepierer". Er sein ein leidenschaftlicher Fußballanhänger, beteuerte Stoiber. Aber es sei nicht die Aufgabe des Steuerzahlers, Millionen für den Profifußball zur Verfügung zu stellen. Er zeigte sich erstaunt, dass man für die vier Millionen Arbeitslosen eine Politik der ruhigen Hand anbiete, aber für den Profifußball die Bundesschatzkiste öffnen wolle.
Auch Bundesarbeitsminister Walter Riester sprach sich gegen die staatlichen Garantien aus. "Auf Ausfallbürgschaften sollten wir uns dort nicht einlassen", sagte Riester am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow "Berlin Mitte". Er wolle gegebenenfalls mit Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) und Ministerpräsident Clement darüber sprechen, sagte Riester. Generell dürfe der Staat sich nur in einzelnen Fällen bei Unternehmenszusammenbrüchen einmischen. Grundsätzlich sei das nicht die Aufgabe des Staates.
In der gleichen Sendung wandte sich auch Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) gegen eine Beteiligung seines Landes an einer Bürgschaft. Zugleich schloss der CDU-Politiker, der auch stellvertretender ZDF-Verwaltungsratvorsitzender ist, den Erwerb der Erstausstrahlungsrechte für die Fußball-Bundesliga durch ARD und ZDF aus, wie dies FC-Bayern-Manager Uli Hoeneß verlangt hatte. Es sei nicht die Aufgabe gebührenfinanzierter Sender, bei einer möglichen Insolvenz der Kirch-Gruppe einzuspringen.
Dagegen verteidigte der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, die geplanten Bürgschaften. Der "Bild"-Zeitung sagte er, es handele sich angesichts der Finanzkrise des Medienunternehmens Kirch lediglich um einen reinen Vorsorgeplan. Wenn die nächste Rate von Kirch für die Fußball-Fernsehrechte ausbleibe, können die Bundesliga-Vereine bei ihren Banken Kredite aufnehmen. Die Bürgschaft diene nur als Sicherheit für diese Kredite. Auch müssten die Clubs die Mittel selbstverständlich zurückzahlen.
Gemäß dem bis 2004 laufenden Vierjahresvertrag der Bundesliga mit Leo Kirch muss dessen Münchner Unternehmen insgesamt 1,53 Milliarden Euro an die 36-Profi-Vereine zahlen. Davon stehen 360 Millionen Euro für die Saison 2002/2003 sowie 460 Millionen Euro für das folgende Fußballjahr aus.