Bundesligarechte: Premiere kontert mit Internet-TV - DER SPIEGEL
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Bundesligarechte Premiere kontert mit Internet-TV

Es sah so aus, als habe Premiere im Kampf um die Live-Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga gegen Arena verloren. Doch weit gefehlt: Premiere verbündet sich mit der Telekom - und läutet womöglich ein neues Fernsehzeitalter ein.
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Hamburg - Kurz vor Weihnachten war der Schock beim Münchner Bezahlsender Premiere noch groß: Gerade hatte man die Übertragungsrechte für Live-Spiele in der Bundesliga an den Konkurrenten Arena verloren. Heute, knapp fünf Monate später, geht der Kampf um die Rechte in die nächste Runde. Premiere und die Deutsche Telekom gaben offiziell bekannt, dass sie ab der kommenden Saison alle Spiele der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga live über das Internet übertragen. Die Vereinbarung umfasst nach Angaben des Senders zunächst die kommenden drei Spielzeiten. "Alle Spiele, alle Tore, alles live: 612 Spiele", sagte ein Sprecher im Stakkato.

Auf der einen Seite Premiere und die Telekom, auf der anderen Arena und die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die die Rechte an Arena vergeben hatte: Während ersteres Team heute jubelt, reagiert letzteres gelassen. Aus der DFL heißt es, die Kooperation zwischen Telekom und Premiere bewege sich "im Rahmen der erworbenen Rechte, der allerdings damit erschöpft ist". Arena-Geschäftsführer Dejan Jocic erklärt: "Es hat sich nichts geändert. Wer Bundesliga live über Kabel und Satellit im Fernsehen sehen will, bekommt das Angebot nur bei Arena." Sein Kollege Christoph Bellmer sagt: "Wir freuen uns, dass jetzt Klarheit herrscht."

Das sind erstaunlich versöhnliche Töne, nachdem sowohl DFL als auch Arena den Plänen von Telekom und Premiere bislang ablehnend gegenübergestanden hatten. "Wir dulden nicht, dass unser Pay-TV-Partner Arena geschwächt wird. Im Extremfall könnte die Telekom die Internet-Rechte wieder verlieren", hatte DFL-Präsident Werner Hackmann zuletzt noch erklärt. Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte er sich heute nicht äußern.

Rund 240 Millionen Euro hatte Arena, Tochter des Kölner Kabelnetzbetreibers Unity Media, für die Fußballrechte geboten, ähnlich viel wie Premiere. Nur drängten die Münchner stärker als die Kölner darauf, die ARD-Sportschau auf einen späteren Sendeplatz am Samstagabend zu verbannen. Die DFL entschied im Sinne der Fußballfans ohne Premiere-Abo - und gab Arena den Zuschlag. Man einigte sich darauf, die Bundesliga-Zusammenfassung in der Sportschau um 20 Minuten nach hinten auf 18.30 Uhr zu verschieben.

Die Telekom sicherte sich derweil über die Tochter T-Online die Bundesligarechte für das Internet. Rund 40 Millionen Euro ließ das Unternehmen sich das kosten - um jetzt Premiere den Eintritt in die Fußballwelt durch eine neue Tür zu ermöglichen. Für den Sender kommt das nach dem Verlust der Lizenzen gerade recht. Per Sublizenz darf Premiere nun doch im Fußball mitmischen und auch noch die Telekom Infrastruktur nutzen. IPTV heißt die Rettung, das Kürzel für Internetfernsehen.

Die Telekom arbeitet derzeit an einem 50-Megabit-Netz, ein extrem leistungsfähiges Glasfasernetz mit den Namen VDSL, über das Telefonieren, Internet und eben auch Übertragungen von Fernsehprogrammen möglich sind, und zwar in höchster Bild- und Tonqualität. Die Branche nennt das "Triple Play". Ein kostspieliges Unterfangen, zumal die entsprechenden Kabel bislang nur in ausgewählten Großstädten verlegt sind. Ab Sommer sollen drei Millionen Haushalte in zehn Städten erreicht werden, bis 2007 sollen es 13 Millionen Haushalte sein.

Für die Kunden wird das wohl zu Beginn nicht gerade billig - doch dank Fußball für viele attraktiv genug, hofft die Telekom. Details zu Preisen will sie kommende Woche nennen. Sie engagierte schon mal Franz Beckenbauer als Kommentator. Telekom-Vorstand Walter Raizner wertet die Kooperation mit Premiere als "strategische Partnerschaft". So hilft der Deal beiden, Telekommunikationsunternehmen und Bezahlsender.

Die Folge ist ein weiterer Schritt im Verschmelzen von Internet und Fernsehen. "Die Digitalisierung des Fernsehens bekommt durch diese Zusammenarbeit einen enormen Schub", sagt Peter Widlok, Sprecher der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das Medium Fernsehen wird durch das Internet sehr viel zielgerichteter, weil Menschen sich Sendungen, die sie interessieren, abrufen können. Und das Angebot wird insgesamt breiter", prognostiziert Widlok die Entwicklung. Allerdings sieht es darin auch eine Verteuerung des Mediums. "Zusätzlich zu Rundfunkgebühren und Kosten fürs Kabelfernsehen werden Kunden künftig für Extradienste wie das Abrufen von bestimmten Sendungen zahlen müssen."

Premiere-Chef Georg Kofler sieht große "Wachstumschancen rund um IPTV" und gibt sich zuversichtlich, alte Premiere-Kunden zu halten und neue Zielgruppen zu erreichen - zum Beispiel jene, die sich für das technisch Neuste begeistern. Läuft alles nach Plan, wäre Premiere das erste deutsche TV-Unternehmen, das die Bundesliga live über das Internet sendet. "Fernsehen über Breitbandnetz wird der dritte reichweitenstarke Weg zum Zuschauer. Und IPTV wird schon bald ein anerkannter digitaler Fernsehstandard sein", sagte Kofler heute. Sein Sender habe "ein Stück Zukunft vorweggenommen". Jetzt werde das Unternehmen "deutlich über 100 Millionen Euro" in interaktive Digitalreceiver investieren. Was er nicht sagte: Mit den alten Premiere-Decodern kommen die Kunden bei IPTV nicht weit.

Offen ist noch, ob die Telekom eine eigene Sendelizenz von den Medienanstalten benötigt oder ob sie die von Premiere nutzen kann. "Wir haben Arena und Telekom nach dem Erwerb der Übertragungsrechte angeschrieben und auf die Erfordernis einer Lizenz hingewiesen", sagt Widlok. "Arena hat mit einem formalen Antrag auf eine Lizenz geantwortet", sagt er. Ein Schreiben an die Telekom sei bislang unbeantwortet geblieben.

Geschichte wiederholt sich, auch in der Medienwelt: Das Pay-TV setzte sich Mitte der neunziger Jahre auf ähnlichem Wege durch, den jetzt IPTV geht. Auch damals war klar: Das Projekt Bezahlfernsehen würde sich nur etablieren, wenn Fußball mit im Angebot wäre. Nur das würde Abonnenten in Scharen anlocken. Es folgten zähe Auseinandersetzungen zwischen Sendern, dem Deutschen Fußballbund, Fußballvereinen und Juristen. Am Ende gewann Premiere.

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