Business-Suchmaschine Google will Software-Markt stürmen
San Francisco - Wenn es nach Google geht soll die "OneBox" bald so selbstverständlich im Arbeitsalltag von Unternehmen sein wie die Google-Site für die meisten Internetnutzer. Die neue Software, die der Suchmaschinenbetreiber heute vorstellt, durchforstet firmeninterne Daten nach bestimmten Suchbegriffen und zeigt die Ergebnisse in einem kleinen Kasten auf dem Computerbildschirm - daher auch der Name.
Die Neuentwicklung zeige deutlich Googles Wunsch, auf dem Softwaremarkt eine wesentlich größere Rolle zu spielen als bisher, erklärt Whit Andrews vom Technologie-Beratungsunternehmen Gartner. Um das Programm zu entwickeln, arbeitete Google mit verschiedenen Unternehmen zusammen, darunter Oracle und Cisco Systems.
Bisher war der Erfolg des Suchmaschinenbetreibers auf dem Markt eher bescheiden. 2005 kamen mit dem Verkauf von Software-Lizenzen gerade mal 75 Millionen Dollar in die Kasse, ein Bruchteil der Gesamteinnahmen von rund 6,1 Milliarden Dollar. 99 Prozent des Geldes macht Google nach wie vor im Werbegeschäft. "Wir sind natürlich sehr viel kleiner als das Mutterschiff, aber jedes Jahr wachsen wir um hundert Prozent", verteidigt Dave Girouard, der Googles Corporate Search Division leitet, die Sparte.
"Googles Fähigkeit, mit anderen Software-Anbietern zusammenzuarbeiten, wird sehr entscheidend sein für den Erfolg", sagt Gartner-Experte Andrews. Diese Fähigkeit habe der Suchmaschinenbetreiber nicht gerade "in seiner DNA", sie sei aber unumgänglich.
So manches Unternehmen beäugte bisher die Google-Software mit großem Misstrauen, weil man Google nicht zutraute, Unternehmenssoftware ausreichend gegen Hacker abzusichern, sagt auch AMR-Research-Analyst Jim Murphy. Diese Befürchtungen könne Google durch seine Zusammenarbeit mit anerkannten Softwarefirmen abdämpfen. Google wiederum schaffe es möglicherweise, die Anwendung so einfach zu gestalten wie die allseits bekannte Suchmaschine.
Mehr als 350 Millionen Dollar Gesamtumsatz jährlich umfasst der Markt für Suchsoftware für Unternehmen wohl kaum, schätzt Gartner. Doch wenn Google mehr Kunden in diesem Bereich gewinnen kann, biete dies die Chance, ihnen auch andere Anwendungssoftware wie ein E-Mail-Programm oder den jüngst auf den Markt gebrachten Online-Kalender zu verkaufen, erklärte CEO Eric Schmidt. Die neue Software sei ein "strategischer Brückenkopf, um andere interessante Probleme zu lösen".
ase/AP