Cabrio-Spezialist: Karmann muss kämpfen - DER SPIEGEL
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Cabrio-Spezialist Karmann muss kämpfen

Der Cabrio-Hersteller Karmann hat im vergangenen Jahr einen brutalen Umsatzeinbruch erlitten. Jetzt soll am Hauptsitz ein Viertel aller Stellen gestrichen werden – und eine Verlagerung von Produktionsteilen nach Polen droht.
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Hannover - Der Umsatz im vergangenen Jahr sank beim europaweit größten Cabrio-Spezialisten um 30 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Karmann will deshalb in diesem Jahr am Stammsitz Osnabrück 1250 von rund 5200 Stellen streichen. Davon entfielen 400 Stellen auf die Verwaltung, teilten Betriebsrat und Geschäftsführung mit. 2007 müsse erneut mit sinkenden Umsätzen gerechnet werden. Auch eine Verlagerung von Produktion ist deshalb möglich: Ende Juni solle eine Entscheidung über einen neuen Produktionsstandort für Dachsysteme in Polen fallen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Für den massiven Stellenabbau machte der stellvertretende Betriebsratschef Wolfram Smolinski die schwache Nachfrage nach dem Chrysler-Modell Crossfire verantwortlich. "Die Crossfire-Produktion hat sich nicht gehalten", sagte Smolinski. Den zweisitzigen Sportwagen fertigt Karmann seit 2003 für den weltweiten Markt. Wurden vor zwei Jahren noch knapp 35.700 Crossfire produziert, waren es 2005 nur noch 12.500 Fahrzeuge. Dem Sprecher zufolge laufen Verhandlungen zwischen DaimlerChrysler und Karmann über Ausgleichszahlungen für die gedrosselte Produktion. Eine Summe nannte er nicht.

Karmann habe lange gehofft, dass das VW-Cabrio Eos die Einbußen durch den Crossfire ausgleichen werde, so Smolinski. Schließlich habe Karmann das Golf Cabrio gebaut. Diese Hoffnung hatte sich allerdings zerschlagen, da VW den Eos in Eigenregie herstellt. Für die Mercedes- und die Audi-Baureihen ziehe die Nachfrage im Fahrzeugbau aber wieder etwas an, so dass eine stärkere Auslastung absehbar sei, hieß es.

In den USA und Brasilien läuft es gut

Im vergangenen Jahr baute Karmann 54.500 Fahrzeuge, im Jahr zuvor waren es noch 94.000 Stück. Der Absatzrückgang sei ebenso belastend gewesen wie die hohen Rohstoff- und Energiepreise sowie ungünstige Wechselkurse, teilte Karmann mit. Das Ergebnis bezeichnete das Unternehmen ohne weitere Angaben als "zufriedenstellend".

Die Kosten für einen Sozialplan könnten Karmann in diesem Jahr aber in die roten Zahlen rutschen lassen, schreibt die "Frankfurter Allgemeine". Über die Planung wollen sich Betriebsrat und Geschäftsleitung bis Ende Juli einigen. Ein Karmann -Sprecher wollte sich zu diesem Punkt noch nicht äußern und verwies auf die laufenden Verhandlungen. Auch zur Ertragslage wollte sich der Sprecher nicht äußern. Er betonte aber, das Eigenkapital sei um zehn Millionen auf 272 Millionen Euro gestiegen.

Schon 2005 hatte Karmann einen Umsatzeinbruch um 31 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro erlitten. Der Cabrio-Bauer hatte daraufhin 400 Stellen in Osnabrück abgebaut. Weltweit sank die Mitarbeiterzahl der Gruppe von 9643 auf 8350 Beschäftigte.

Im Ausland steigerte das Traditionsunternehmen seine Umsätze zum Teil deutlich. Währungsbereinigt stieg der Umsatz des Werkes in Michigan (USA) um 44 Prozent auf 14 Millionen Euro. Auch die brasilianische Karmann-Tochter steigerte ihren Umsatz von 19 auf 38 Millionen Euro, was aber vor allem auf Währungseinflüsse zurückzuführen sei.

Mit Nissan praktiziert Karmann eine neue Form der Zusammenarbeit. Das Klappdach für die Baureihe Micra C+C wird von Karmann direkt im Nissan-Werk im nordenglischen Sunderland produziert. Zu den wichtigsten Entwicklungsprojekten gehörte nach Unternehmensangaben die cabriospezifische Anpassung und die Planung des Dachmoduls für das Luxuscabriolet Bentley Continental GTC.

itz/Reuters/dpa-AFX

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