Call und put - DER SPIEGEL
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Call und put

• aus DER SPIEGEL 5/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Anders als an den herkömmlichen Wertpapierbörsen werden an der Deutschen Terminbörse keine Wertpapiere, sondern sogenannte Optionskontrakte gehandelt. Jede Option beinhaltet 50 Stücke.

Die Option ist ein Recht, innerhalb der festgelegten Kontraktlaufzeit (bis zu sechs Monaten), also bis zu einem vorher bestimmten Termin, die Aktien zu einem festgelegten Kurs zu kaufen (Kaufoption) oder zu verkaufen (Verkaufsoption). Bei einer Kaufoption sprechen Experten von einem »call«, bei einer Verkaufsoption von einem »put«.

Es gibt vier grundlegende Optionsmöglichkeiten, die von den Kurs-Erwartungen des Anlegers abhängen. Beim Erwerb einer Kaufoption (im Fachjargon »long call") geht der Anleger davon aus, daß die Kurse über den festgelegten Preis steigen; er kann, nach Ausübung der Option, die Aktien mit Gewinn zum höheren Börsenkurs veräußern.

Beim Verkauf einer Kaufoption ("short call") rechnet der Anleger umgekehrt mit fallenden oder stagnierenden Kursen. Der Verkäufer - auch Stillhalter genannt - erhält vom Käufer die sogenannte Optionsprämie. Diese ist bestenfalls sein Gewinn. Bei steigenden Kursen allerdings verbucht er Verlust, weil er die Aktien nun zum gestiegenen Kurs beschaffen muß.

Auch der Erwerber einer Verkaufsoption ("long put") erwartet sinkende Kurse. Fällt nämlich der Kurs unter den vereinbarten Preis, ist es für ihn vorteilhaft, die Aktien an der Börse zu kaufen und an den Stillhalter loszuschlagen. Je tiefer der Kurs fällt, desto höher der Gewinn. Das Risiko des Anlegers bleibt auf die Optionsprämie begrenzt, die er dem Verkäufer des Kontrakts zahlen muß.

Der Verkäufer der Verkaufsoption ("short put") hofft auf stabile oder steigende Aktienkurse. Dann übt der Käufer nämlich seine Option nicht aus, die Optionsprämie bleibt als Gewinn.

Das Risiko des Käufers von Optionen ist stets auf die Optionsprämie beschränkt, die er an den Verkäufer zu entrichten hat. Während der Optionskäufer ein Recht erhält, das er aber nicht ausüben muß, ist der Verkäufer (Stillhalter) verpflichtet, auf Verlangen die Aktien zu liefern.

Der Optionshandel - es gibt vielfältige Varianten und Mischformen - gleicht stets einem Null-Summen-Spiel: Was der eine gewinnt, verliert ein anderer. Um eine Option kaufen oder verkaufen zu können, muß sich stets jemand finden, der die entgegengesetzte Erwartung über die wahrscheinliche Kursentwicklung hat.

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