CargoLifter Kuckucksei in der Luftschiff-Halle
Ludwigsfelde - Nach den Vorstellungen des britischen Luftschiffbauers soll CargoLifter die künftigen ATG-Luftschiffe in Lizenz bauen, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Branchenkreise. Käme es wirklich so weit, wäre dies ein herber Schlag für CargoLifter-Chef von Gablenz. Immerhin ist ATG sein wichtigster Rivale auf dem Luftschiff-Markt und könnte auf diese Weise einen sicher geglaubten Vorsprung von mehreren Jahren ausgleichen. Bereits in der Vergangenheit hatte Gablenz deshalb Avancen des Rivalen für eine Zusammenarbeit entschieden abgelehnt.
Im Gegensatz zu CargoLifter verfügt ATG bereits über reichlich Erfahrung beim Luftschiffbau und hat außerdem sehr gute Verbindungen zu US-Militärkreisen. Die in der Planung befindlichen Luftschiffe könnten je nach Modell 20 bis 200 Tonnen Nutzlast befördern. In einer weiteren Ausbaustufe sollen sogar 1000 Tonnen möglich sein.
Damit nicht genug. Gablenz gerät auch von Seiten der IG-Metall immer stärler unter Druck. Nur mit einem neuen Management habe CargoLifter eine Überlebenschance, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Hermann von Schuckmann. Zudem seien öffentliche Mittel nötig, da die Liquidität des Unternehmens nicht einmal zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens reichen dürfte.
CargoLifter hatte am 7. Juni nach wochenlangem Überlebenskampf Insolvenz angemeldet. Eine Woche davor hatte bereits die wichtigste Tochtergesellschaft Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen beschäftigt rund 500 Mitarbeiter, die meisten auf der Werft in Brand bei Berlin. Das 1996 gegründete Unternehmen, das ursprünglich riesige Transportluftschiffe für schwere Lasten bauen wollte, hat 13 Tochtergesellschaften.
Am Sonntag bat der vorläufige Insolvenzverwalter, Rolf-Dieter Mönning, das Land Brandenburg um Soforthilfe in Höhe von 4,1 Millionen Euro. Ohne diese lasse sich die Infrastruktur von CargoLifter im südbrandenburgischen Brand während des Eröffnungsverfahrens nicht sichern. Sollte die Landesregierung die Soforthilfe verweigern, müsse die CargoLifter-Anlage geschlossen werden.