CargoLifter Ohrfeige von den Aktionären
Potsdam - Das Heimatland der Luftschiff-Bauer übertreibt es derzeit nicht gerade Hilfszusagen. Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) listete bei der Eröffnung der Berliner Luftfahrtschau ILA gleich ein halbes dutzend brandenburgische Top-Unternehmen aus der Luftfahrt-Branche auf. Der Name CargoLifter jedoch fehlte. Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) wiederum sagte am Dienstag, das Land werde sich nur finanziell engagieren, wenn auch der Bund Geld verspreche. Ohne eine gesicherte Anschlussfinanzierung des Bundes ab 2003 sei ein Darlehen des Landes sinnlos, sagte Fürniß. Der Bund freilich hat bisher betont, dass es erst nach den Bundestagswahlen Geld geben könne.
Zuvor hatte CargoLifters Finanzvorstand Karl Bangert fast ultimativ an die Landesregierung appelliert: Er erwarte schon in den nächsten Tagen ein deutliches Zeichen und eine Finanzzusage: "Ohne ein Signal der Öffentlichen Hand wird es sehr schwierig, die Liquidität zu sichern". Das Geld reicht nach Firmenangaben noch für einige Wochen. CargoLifter verhandele weiter mit Fürniß und Stolpe, so Bangert.
Viele Millionen weniger als erhofft
Der Anlass für Bangerts Hilferuf: Der Verkauf der Wandelanleihe, die CargoLifter bisher ausschließlich für Aktionäre angeboten hat, verlief mehr als enttäuschend. Von den Papieren im Gesamtwert von 49,8 Millionen Euro seien nur 7,6 Prozent gezeichnet worden. So brachte die Emission bisher nach Firmenangaben nur 3,8 Millionen Euro ein, erwartet worden seien mindestens zehn Millionen. Daher werde man die Anleihe nun auch anderen Investoren marktbreit zur Zeichnung bieten, so Bangert. Die Konditionen der Anleihe, die vom 9. Mai an gezeichnet werden kann, würden aber nicht verändert. Der Stückpreis liegt bei sechs Euro, der Zinssatz bei sechs Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren.
CargoLifter hofft, dass die vergangene Woche angekündigte Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtkonzern Boeing für mehr Vertrauen bei den Anlegern sorgt. Mit Boeing wollen die Brandenburger Möglichkeiten ausloten, die "Leichter-als-Luft-Technologie" auch im militärischen Bereich zu nutzen. Der liegt bisher aber jenseits des CargoLifter-Kerngeschäftes, zudem sieht die Partnerschaft bisher keine finanzielle Hilfe durch Boeing vor. Ob Dritte bei der Anleihe zugreifen, wenn schon die eigenen Aktionäre die Anleihe verschmähen, scheint also fraglich. Die CargoLifter-Aktie verlor am Dienstag bis 14.40 Uhr rund 10,5 Prozent ihres Wertes und notierte bei 2,74 Euro.
Schwindel erregende Höhen
CargoLifter entwickelt in Brandenburg ein Luftschiff, das eines Tages Schwerstlasten von bis zu 160 Tonnen über mehrere tausend Kilometer hinweg transportieren soll. Wegen der Finanzprobleme wurde der Jungfernflug mehrfach verschoben, in der aktuellen Planung ist von 2005 die Rede. Bis dahin muss das Unternehmen nach eigenen Angaben noch insgesamt 720 Millionen Euro aufwenden, rund 420 Millionen Euro von dieser Summe fehlten noch.
Um die mittelfristige Finanzierung zu sichern, sei für dieses Jahr weiter eine Kapitalerhöhung geplant, teilte das Unternehmen mit. Ohne weitere Hilfen dürfte das Geld aber nicht bis dahin reichen.