Charterflieger Aero Lloyd meldet Insolvenz an
Frankfurt am Main - Aero Lloyd wird am Donnerstag beim Bad Homburger Amtsgericht Insolvenz , teilte die in Oberursel im Taunus ansässige Airline am frühen Morgen mit. Der Grund: Die Bayerische Landesbank lehne das vorgelegte Sanierungskonzept ab und gebe keine Kredite mehr. Der Flugbetrieb von Aero Lloyd ist seit sechs Uhr eingestellt.
Knapp über 4000 Aero-Lloyd-Fluggäste warten nun auf deutschen Flughäfen auf ihre Reise in den Urlaub, sagte ein Unternehmenssprecher. Im Ausland seien rund 4500 Passagiere betroffen. "Die sitzen jetzt in Hurghada oder Alicante", sagte der Sprecher. Aero Lloyd hat für seine Kunden ein Service-Telefon unter 06171-625200 geschaltet.
Rund 80 Prozent der Aero-Lloyd-Reisenden haben den Angaben zufolge ihren Flug über Reiseveranstalter gebucht, die nun die Gäste auf andere Flüge umbuchen müssen. Die etwa 1000 Gäste, die direkt bei Aero Lloyd gebucht hätten, müssten zunächst selbst einen Flug organisieren und diesen auch bezahlen, sagte der Sprecher: "Wir können zurzeit rein formal nicht dafür geradestehen."
Allein beim Reisekonzern TUI sind 500 Feriengäste betroffen, die am Donnerstag nach Griechenland und Ägypten reisen wollten. Für die Rückreise nach Deutschland sind nach TUI-Angaben 800 Touristen gebucht. Zwei Maschinen habe bereits die LTU unter Vertrag genommen, die die meisten Feriengäste in ihre Zielgebiete befördern sollen. Sie sollen am Donnerstag gegen 13.00 Uhr von München und Düsseldorf abfliegen. Die TUI-Kunden können sich ab acht Uhr unter der Nummer 0511-5678000 informieren.
Die Insolvenz von Aero Lloyd kommt völlig überraschend. Trotz eines umfangreichen, auf drei Jahre angelegten Sanierungs- und Restrukturierungskonzepts der seit dem ersten Juni dieses Jahres tätigen neuen Geschäftsführung habe die Bayerische Landesbank als Mehrheitsgesellschafter und größter Kreditgeber jetzt entschieden, die notwendigen Kapitalmaßnahmen zur Sanierung der Bilanzsituation der Aero Lloyd nicht vorzunehmen, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Damit sei nun zwangsläufig der Insolvenzfall ausgelöst.
Der Sanierungsplan sah nach Angaben von Aero Lloyd vor, dass das Unternehmen in absehbarer Zeit wieder Gewinne machen sollte. Voraussetzung sei allerdings die Schuldensanierung gewesen.
Aero Lloyd hat nach eigenen Angaben etwa 1400 Beschäftigte, über 1000 davon in Deutschland. Die Airline verfügt über 21 Airbus-Mittelstrecken-Flugzeuge und flog bislang rund 50 Ferienziele in 13 Ländern an. Sie beförderte im vergangenen Jahr rund 3,5 Millionen Passagiere. Der Marktanteil in Deutschland liegt nach Konzernangaben bei zwölf Prozent.