Chefwechsel bei Ford: Ford geht - Mulally kommt - DER SPIEGEL
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Chefwechsel bei Ford Ford geht - Mulally kommt

Bill Ford hatte seinen Posten bereits Renault-Chef Carlos Ghosn angeboten - nun hat er die operative Führung von Ford tatsächlich abgegeben. Allerdings nicht an Ghosn, sondern an Ex-Boeing-Manager Alan Mulally. Eine gute Wahl, findet die Börse.
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Dearborn - Es ist der vorerst letzte Schritt in Fords Vorhaben, Kosten drastisch zu senken und das Geschäftsmodell des Konzerns komplett zu überarbeiten: Nach den jüngsten Milliarden-Verlusten wird der Firmenchef ausgewechselt. Künftig werde Ex-Boeing-Manager Alan Mulally die operative Führung übernehmen, teilte der Konzern mit. Er löst Bill Ford ab, der aber weiter dem Verwaltungsrat vorsteht.

Mulally wird einer der ersten Chefs eines großen US-Autobauers sein, der aus einer anderen Branche kommt. Er soll auch dem Ford-Verwaltungsrat angehören. Experten werteten den Wechsel positiv: Ford-Aktien stiegen nach Bekanntgabe der Personalie nachbörslich um drei Prozent. Mulally habe die Boeing-Sparte Verkehrsflugzeuge erfolgreich durch eine schwere Zeit geführt, sagte Analyst Mark Oline von Fitch Rating. Er habe Wert auf die Ausgliederung von Bereichen und die Steigerung der Effizienz gelegt.

Der Branchenexperte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management sagte, der Wechsel komme nicht überraschend. Bill Ford habe unter dem Druck gestanden, eine frische Führungskraft zu holen. Sein Verzicht auf die operative Führung sei ein honoriger Schritt, der Ford gut tun werde.

Bill Ford ist ein Urenkel des Firmengründers Henry Ford. Er führte den Konzern seit 2001 und startete ein umfangreiches Sparprogramm. Dazu gehören der Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen und die Schließung von 14 Werken. Trotzdem schaffte er es nicht, das Ruder bei dem angeschlagenen Autobauer herumzureißen. Unter Bill Ford fiel der Marktanteil in den USA von 23 auf 17 Prozent, der Aktienkurs gab um 70 Prozent nach. Im ersten Halbjahr 2006 hatte Ford einen Verlust von 1,44 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Der Druck der Investoren auf ihn wuchs daher deutlich. Bill Ford wird aber weiter eine starke Position im Konzern haben. Die Familie Ford hält außerdem die Kontrollmehrheit am Unternehmen.

Nicht alle Probleme gelöst

Mirko Mikelic, Branchenexperte bei Fifth Third Asset Management, sieht durch den Wechsel aber nicht alle Probleme gelöst. "Meine Sorge bezieht sich nicht auf Mulallys Fähigkeit, Kosten zu senken, sondern darauf, den Rückgang des Marktanteils zu stoppen. Wie will er das schaffen?"

Ford hat unter anderem mit veralteten Modellen zu kämpfen. Vor allem die Nachfrage nach Geländewagen mit hohem Spritverbrauch brach wegen der Öl-Rekordpreise ein. Konkurrenten aus Japan und Europa gewinnen Marktanteile. Um schneller wieder Gewinne zu schreiben, hatte Ford erst Mitte August angekündigt, seine Autoproduktion in Nordamerika drastisch zu senken. Im Gesamtjahr 2006 soll die Produktion mit rund drei Millionen Autos neun Prozent unter dem Vorjahr liegen.

Vor der nun getroffenen Entscheidung hatte Bill Ford seinen Posten bereits Carlos Ghosn angeboten. "Ich versuche immer, Talente von außen ins Unternehmen zu holen", sagte er dem Magazin "Newsweek". Ghosn, der Chef von Renault-Nissan, sei ein "außerordentliches Talent, das der Firma helfen könnte." In einer E-Mail hatte Ford die Mitarbeiter außerdem auf weitere Einschnitte vorbereitet. Ford erwäge, sich an Manager außerhalb der Firma zu wenden und Allianzen mit anderen Autobauern einzugehen.

Um wieder profitabel zu werden, erwägt der Autobauer nun den Verkauf der Traditionsmarke Aston Martin. Einem Medienbericht zufolge wird außerdem darüber nachgedacht, die Luxusmarken Jaguar und Land Rover an eine Investmentfirma zu veräußern. Zudem gibt es Spekulationen, dass die Ford-Familie den Konzern wieder von der Börse holen könnte. Damit würde es leichter, das Unternehmen umzustrukturieren, weil keine Rücksicht auf Aktionäre mehr genommen werden muss.

ase/AFP/reuters/dpa-AFX

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