Chefwechsel beim Halbleiterkonzern Infineon-Chef Ziebart muss gehen
München - Wochenlang war spekuliert und intrigiert worden, jetzt ist es raus: Der Vorstandschef von Infineon, Wolfgang Ziebart, gibt seinen Posten zum 1. Juni auf. Das teilte das Unternehmen am Montag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung mit. Als Grund gab das Unternehmen unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung an. Neuer Vorstandschef wird der bisherige Chef der Auto-Chip-Sparte und das bisherige Vorstandsmitglied Peter Bauer.
In Medienberichten war bereits seit Tagen über eine vorzeitige Trennung von Ziebart spekuliert worden. Sein Vertrag lief ursprünglich bis Ende August 2009. Ziebart hatte das Amt des Vorstandsvorsitzenden bei Infineon im September 2004 übernommen. Dem Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley sei vom Aufsichtsrat jedoch einstimmig das Vertrauen ausgesprochen worden.
Seit Monaten belasten Verluste und interne Streitigkeiten den Dax-Konzern aus München. Die frühere Siemens -Tochter machte allein im ersten Quartal 2008 einen Verlust von 1,37 Milliarden Euro - und das bei einem Umsatz von knapp einer Milliarde Euro. Der Chip-Hersteller sucht deshalb fieberhaft nach einer Lösung der Probleme.
Die Probleme im operativen Geschäft hatten zuletzt zu einem Machtkampf an der Infineon-Spitze geführt. So soll Kley Medienberichten zufolge die Ablösung Ziebarts betrieben haben. Uneinig sollen sich die beiden vor allem in der Frage gewesen sein, ob sich Infineon mit dem niederländischen Wettbewerber NXP zusammentun sollte. Ziebart war dem Vernehmen nach dagegen, Kley dafür.
Kley setzt sich durch
Nachdem sich Kley nun offenbar durchgesetzt hat, halten Branchenkenner eine Fusion zwischen Infineon und einem anderen Chip-Konzern für möglich. So wurde bereits über ein Zusammengehen mit der früheren Halbleitersparte von Philips spekuliert, die vom Finanzinvestor KKR kontrolliert wird und unter dem Namen NXP firmiert.
Wie es in der Mitteilung weiter hieß, haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, ein unternehmensweites Programm unter dem Namen "IFX 10-plus" zu starten, mit dem die Margen verbessert und die Herstellkosten gesenkt werden sollen. Weitere Einzelheiten nannte der Konzern zunächst nicht, diese würden in den nächsten Wochen erarbeitet und definiert werden. Klar ist aber: Unter anderem sollen die Herstellungskosten gedrückt und das Unternehmen straffer organisiert werden.
Infineon macht seit Jahren Verluste. Vor allem die zum Verkauf stehende Speicherchiptochter Qimonda belastet. Die Aktie ist das mit Abstand günstigste Papier im DAX. Am Freitag führte die Aktie einmal mehr die Verliererliste an und gab 2,5 Prozent auf 6,14 Euro ab und ist damit weit vom einstigen Höchststand von rund 95 Euro entfernt.
sam/dpa-AFX/Reuters/AP/dpa/ddp