China: Unternehmensgewinne brechen ein - DER SPIEGEL
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China Unternehmensgewinne brechen ein

Der Boom der chinesischen Wirtschaft könnte abrupter zu Ende gehen, als selbst die Pessimisten es befürchtet haben. Rating-Agenturen schätzen allein den Umfang der faulen Kredite auf rund 190 Milliarden Dollar. Verschärfend hinzu kommt ein dramatischer Rückgang der Gewinne.
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Peking - Allein in den ersten vier Monaten ist die Wachstumsrate bei den Gewinnen chinesischer Industrieunternehmen im Jahresvergleich deutlich eingebrochen. Obwohl die Unternehmensgewinne um 15,6 Prozent im Jahresvergleich zulegten, sei die Wachstumsrate um 30,1 Prozent gesunken, teilte das nationale Statistikbüro heute mit. Insgesamt würden sich die Erträge der Industrieunternehmen in den ersten vier Monaten auf umgerechnet 37,5 Milliarden Euro summieren.

In der vergangenen Woche bereits hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" erste Anzeichen einer Verschärfung der gesamtwirtschaftlichen Situation in China beschrieben: Einer Analyse des chinesischen Bankenmarktes der Rating-Agentur Standard & Poor's zufolge sind inzwischen die Symptome einer ernsten Bankenkrise unübersehbar. "Allein die Rekapitalisierung der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und der Agricultural Bank of China (ABC) dürfte die chinesischen Regierung bis zu 190 Milliarden Dollar kosten, legt man konservativere Vorsorgeregeln zugrunde", zitiert die "FAZ" aus der Studie der Analysten. "Als alleiniger Anteilseigner beider Banken wird die Regierung den Löwenanteil der Kosten übernehmen müssen, bevor die Institute ausländische Investoren anziehen."

Auch die Berater von McKinsey warnten in einer fast zeitgleich veröffentlichten Analyse vor neu heraufziehenden Gefahren: "Die chinesischen Regulierungsbehörden müssen darüber hinausgehen, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, und sich mit einer weiteren Quelle der Instabilität beschäftigen: einer Flut neuer uneinbringlicher Kredite. Unsere tagtägliche Erfahrung lehrt uns, dass chinesische Banken zusätzlich zum Bestand weiterhin sehr erstaunliche Zahlen fragwürdiger Kredite ausgeben." Von den genannten 190 Milliarden Dollar notleidender Kredite schätzt S&P allein den Anteil der beiden Großbanken auf umgerechnet gut 180 Milliarden Dollar.

Selbst die chinesische Bankenaufsicht, die die Problematik eher untertreiben dürfte, schätzte den Bestand uneinbringlicher Kredite Ende vergangenen Jahres auf 205 Milliarden Dollar, schreibt die "FAZ" weiter. Das entspräche 13 Prozent der gesamten Vermögenswerte der Banken. Erst vor einigen Monaten hatte S&P gemeldet, die Rettung des gesamten chinesischen Bankensektors werde rund 600 Milliarden Dollar kosten.