China: Zinserhöhung soll rasantes Wachstum dämpfen - DER SPIEGEL
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China Zinserhöhung soll rasantes Wachstum dämpfen

Um satte zehn Prozent wuchs die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal - das ist selbst der chinesischen Zentralbank nicht geheuer. Um eine Überhitzung der Konjunktur zu vermeiden, erhöhte sie deshalb zum ersten Mal seit langem die Kreditzinsen. International wurde der Schritt begrüßt.
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Peking - Die Nachricht kam für die Finanzmärkte überraschend: Der Schlüsselzins für Kredite mit einem Jahr Laufzeit wurde um 0,27 Prozentpunkte auf 5,85 Prozent angehoben. Die Zentralbank teilte auf ihrer Internetseite weiter mit, die Ausleihesätze für andere Laufzeiten stiegen entsprechend.

Das letzte mal hatte die Zentralbank die Zinsen im Oktober 2004 angehoben. Schon damals wollte man ein Überhitzen der Konjunktur vermeiden. Auch diesmal reagierte die Notenbank mit ihrem Beschluss nach Einschätzung von Analysten auf die drastische Wachstumsbeschleunigung in China. Im ersten Quartal hatte sich die gesamtwirtschaftliche Produktion um 10,2 Prozent ausgeweitet. Dies hatte Befürchtungen vor einer Überhitzung der Konjunktur aufkommen lassen.

China ist neben den USA seit Jahren der Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft und zunehmend auch Investitionsstandort deutscher Firmen. Das Land verzeichnet jede Woche Direktinvestitionen aus dem Ausland von einer Milliarde Dollar. Der Energiehunger des aufsteigenden kommunistischen Landes, dessen Wirtschaft inzwischen die fünftgrößte der Welt ist, treibt andererseits auch den Ölpreis drastisch nach oben.

Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, Lorenzo Bini Smaghi, begrüßte den Schritt der chinesischen Amtskollegen als Schritt in die richtige Richtung. In Florenz sagte er, es sei von weiteren Erhöhungen auszugehen. "Das ist ein guter Schritt, der hilft, etwas Dampf aus der Investitionsnachfrage zu nehmen", lobte auch Ben Simpfendorfer, Zinsstratege von der Royal Bank of Scotland in Hong Kong.

Experten bezweifeln Effektivität der Maßnahme

Regierung und Zentralbank wollten die Zügel anziehen, und wenn sie ihr Ziel nicht erreicht sähen, könnten noch weitere Zinsschritte folgen, sagte Jun Ma, China-Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Der Chefvolkswirt von ING Financial Markets in Singapur, Tim Condon, bezweifelte jedoch, dass die Zinserhöhung wirken wird. Schon die Straffung im Oktober 2004 habe das Wachstum nicht dämpfen können. Am Devisenmarkt wurde die Entscheidung aber dennoch begrüßt. So könne die chinesische Währung gestützt werden, sagte ein Händler. Der Schritt werde allerdings die Währungspolitik des Landes wohl nicht erheblich beeinflussen.

China steht unter massivem Druck der sieben führenden Industrieländer (G7), seine Währung Yuan weiter aufzuwerten. Um die Exportwirtschaft zu stärken, hält die Regierung den Kurs zum Dollar künstlich niedrig. Das hat zu einer Verdreifachung des Außenhandelsüberschusses auf 201 Milliarden Dollar 2005 geführt. Der Wechselkurs erzwinge Zinsen, die angesichts der Stärke der chinesischen Wirtschaft viel zu niedrig seien, sagte Bini Smaghi, der im EZB-Direktorium für Internationale Fragen zuständig ist.

ase/Reuters