Chip-Krise: Jetzt will auch Infineon Hilfe vom Staat - DER SPIEGEL
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Chip-Krise Jetzt will auch Infineon Hilfe vom Staat

Erst war es nur die Tochter Qimonda, nun verlangt der Mutterkonzern Infineon ebenfalls Unterstützung durch die öffentliche Hand. Vorstandschef Bauer fordert laut einem Pressebericht Staatsbürgschaften. "Wir brauchen frisches Geld."
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München - Die Krise beim Chipkonzern Infineon   ist offenbar größer als angenommen. Laut "Süddeutscher Zeitung" bittet das Unternehmen sogar um Hilfe vom Staat. Bisher hatte nur die Tochter Qimonda   Gelder der öffentlichen Hand benötigt.

Infineon-Aufsichtschef Kley: Massive Kritik von Kleinaktionären

Infineon-Aufsichtschef Kley: Massive Kritik von Kleinaktionären

Foto: DPA

Vorstandschef Peter Bauer sagte dem Bericht zufolge, dass es derzeit Probleme mit der Ablösung auslaufender Anleihen gebe. Dadurch bestehe in den kommenden Monaten ein Geldbedarf von mehreren hundert Millionen Euro. Angesichts der zögerlichen Kreditpolitik vieler Banken sei dieses Geld aber nur schwer aufzutreiben. Eine Staatsbürgschaft könnte hier helfen, sagte Bauer der "SZ". "Es besteht kein akutes Insolvenzrisiko, aber wir brauchen frisches Geld."

Auch den Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen werde Infineon prüfen, sagte Bauer dem Blatt. "Wenn wir unsere Marktposition verbessern können, ist das allemal positiv." Selbst der Einstieg eines Finanzinvestors sei denkbar. "Der Einstieg eines Finanzinvestors wäre generell möglich."

Möglichen Partnern gehe es derzeit aber kaum besser als Infineon selbst, sagte Bauer. Auch sie litten unter der weltweit drastisch eingebrochenen Nachfrage. Immerhin könne Infineon sein laufendes Geschäft mit den Geldreserven von zuletzt rund 700 Millionen Euro noch eine ganze Weile bestreiten.

Turbulent verlief auch die Infineon-Hauptversammlung an diesem Donnerstag in München. "Was als Finanzkrise begann, entpuppt sich als massiver Markteinbruch, wie wir ihn selbst 2001 nicht hatten", sagte Bauer in Anspielung auf das Platzen der Dot-Com-Blase. Zu erwarten sei 2009 ein Umsatzrückgang von mindestens 15 Prozent. Mit einer Besserung sei frühestens 2010 zu rechnen.

Angesichts des schwachen Aktienkurses rechne er außerdem mit einem Abstieg seines Unternehmens aus dem Leitindex Dax. An der Börse wurde die Rede Bauers mit weiteren Abschlägen quittiert. Die Aktie verlor zeitweise 2,6 Prozent und stand gegen Mittag bei 74 Cent. Kurz nach dem Börsengang im Frühjahr 2000 war die Aktie noch mehr als 90 Euro wert.

Vorstand verzichtet auf Gehalt

Das Unternehmen steckt in massiven Schwierigkeiten. Unter anderem wegen der desolaten Lage bei der insolventen Speicherchiptochter Qimonda war im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust von rund 3,1 Milliarden Euro angefallen. Bemerkbar machen sich außerdem die Bestellrückgänge aus der Autoindustrie.

Um die Kosten zu senken, will Infineon nun eisern sparen. Neben dem bereits angekündigten Abbau von rund 3000 Jobs, Kurzarbeit in den Werken Regensburg, Dresden, München und Warstein sowie dem Ausstieg aus dem Arbeitgeberverband will Infineon auch das Bonussystem umstellen sowie bei den Reisekosten sparen. Bauer selbst will im laufenden Geschäftsjahr neben seinem variablen Gehalt auch auf 20 Prozent seines Grundgehalts verzichten. Bei seinen Vorstandskollegen seien es zehn Prozent.

Für die Aktionäre ist das nur ein geringer Trost. Management und Aufsichtsrat von Infineon gerieten auf der Hauptversammlung massiv unter Beschuss. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warf dem Aufsichtsrat und namentlich seinem Vorsitzenden Max Dietrich Kley vor, das Unternehmen mit Fehlentscheidungen gegen die Wand gefahren zu haben. "Wir behalten uns die Einleitung rechtlicher Schritte vor." Die Aufsichtsräte hätten zu spät auf Sparmaßnahmen gedrungen und eine "verfehlte Personalpolitik" unterstützt.

Äußerst knappe Entlastung für das Management

Die Zahlungen an den früheren Vorstand Wolfgang Ziebart, der noch heute 70 Prozent seines Gehaltes beziehe, seien "unanständig". Der Aufsichtsrat hat nach Ansicht Bergdolts außerdem zu lange an der Entscheidung festgehalten, Qimonda nicht vollständig an die Börse zu bringen. "Noch vor wenigen Jahren hätten Sie drei Milliarden für Qimonda bekommen", sagte sie. "Für diese Misere erhalten Sie von uns keine Entlastung."

Ein Kleinaktionär sagte unter Applaus: "Ich pack' den ganzen Aufsichtsrat in einen Sack und hau' drauf, dann treff' ich sicher nicht den Falschen."

Entsprechend knapp fiel die Entlastung für das Management aus. Der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley erzielte mit 50,03 Prozent Ja- und 49,97 Prozent Nein-Stimmen ein denkbar enges Ergebnis. Die restlichen Aufsichtsratsmitglieder wurden mit nur unwesentlich besseren Mehrheiten zwischen 50,9 und 52,9 Prozent entlastet. Der Vorstand wurde mit 61 Prozent des Kapitals entlastet, 39 Prozent stimmten dagegen. Die vom Vorstand gewünschte Kapitalerhöhung wurde von den Aktionären gebilligt.

wal/dpa-AFX

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