Chip-Markt: "Man muss starke Nerven haben" - DER SPIEGEL
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Chip-Markt "Man muss starke Nerven haben"

In den letzten Wochen haben die Chip-Hersteller vor allem durch Gewinnwarnungen von sich Reden gemacht und die Kurs am Hightech-Markt nach unten gezogen. Trotzdem bleibt die Branche optimistisch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - "Ich möchte nicht von einer Krise reden", sagt Jochen Polster vom Prozessorhersteller AMD auf der Cebit in Hannover. "Bisher hatten wir ein zweistelliges Wachstum, jetzt ist es vielleicht einstellig. Dieses Auf und Ab sind wir gewohnt." Trotz der Preiszyklen - im Speicherbereich wird derzeit oft unter Kosten verkauft - hält die Industrie an den hohen Investitionen für neue Fabriken und Technologie fest.

Auch Ulrich Schumacher, Chef des Halbleiterunternehmens Infineon, will von einer Krise nichts wissen: "Es ist der normale Branchen-Zyklus, auf fette Jahre folgen schlechte Jahre. Sie brauchen einfach starke Nerven." Immerhin war der Markt für Halbleiter-Produkte wie Speicher für Mobiltelefone oder Prozessoren im Jahr 2000 nach Angaben des US-Marktforschungsinstituts IDC um satte 31 Prozent auf 222 Milliarden US-Dollar gewachsen.

Die Experten beobachteten schon im vierten Quartal 2000 eine Wachstumsdelle, die sich in den ersten Monaten 2001 fortsetzte. Vor allem die Nachfrage nach Speichermodulen brach ein. Die Folgen waren niedrige Preise und hohe Lagerbestände. Auch der Bedarf für Prozessoren war nicht so hoch wie erwartet: Um lediglich 5,4 Prozent stieg IDC zufolge der Absatz von Personal Computern im letzten Quartal 2000. Auf das Gesamtjahr gerechnet waren es immerhin 9,5 Prozent.

Die Sättigung des Marktes versuchen einige Hersteller nun durch eine Nischenpolitik zu umgehen. "Der PC ist einfach zu langweilig", meint David Ditzel, Mitbegründer des jungen Unternehmens Transmeta. Ditzel setzt voll auf Notebooks. "Das wichtigste in diesem Markt ist der Stromverbrauch." So produziert Transmeta mit dem Prozessor Crusoe einen nicht so leistungsfähigen, dafür aber extrem stromsparenden Prozessor. Notebooks sollen so bis zu 20 Stunden ohne Stromverbindung auskommen.

Damit will Ditzel einen stark wachsenden Markt umkrempeln: Laut IDC stieg der Notebookabsatz 2000 um 37,9 Prozent. Die Branche hat weitere Sektoren im Blick: Nicht der sorgsam beobachtete PC-Markt ist für Infineon der Zukunftsmarkt, sondern Chips für die Automobilindustrie. "Der Autobau ist heute sehr von der Elektronik getrieben", sagt Schumacher.

Auch AMD will sich für den Autobau profilieren: "Motorsteuerung, Navigation, der elektronisch verstellbare Sitz, das braucht alles Speicherbausteine", sagt AMD-Mann Polster. "Sicher werden wir jetzt vorsichtig sein. Wir werden aber nicht wegen kurzfristiger Schwankungen unsere Planungen kippen."

Von Jirka Albig, dpa

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