Chiphersteller: Lichtblitze am Horizont - DER SPIEGEL
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Chiphersteller Lichtblitze am Horizont

Die Chefs von Intel und Motorola haben gute Zahlen vorgelegt und sprechen in ihren Ausblicken von einer Besserung im Halbleitermarkt. Die Aktienkurse steigen, Analysten wollen aber noch nicht an den Beginn einer Rallye glauben.
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New York/Frankfurt - Beflügelt von guten Quartalszahlen großer US-Technologiekonzerne haben die deutschen Aktienmärkte am Mittwoch unter Führung der Hightech-Aktien weiter zugelegt. "Der Markt reagiert positiv auf die Zahlen aus den USA", sagte Aktienhändler Norbert Empting vom Börsenmakler Schnigge. Der Dax legte am Vormittag um 0,2 Prozent auf 5354 Punkte zu. Am Neuen Markt legte der Auswahlindex Nemax 50 um knapp zwei Prozent auf 966 Punkte zu. Der Dow Jones war am Vorabend in den USA um 2,1 Prozent auf 10.301 Punkte gestiegen, der Nasdaq verbesserte sich sogar um 3,6 Prozent auf 1817 Punkte. Im Dax vor allem die Chiptitel Infineon   und Epcos  .

Intel   hat im ersten Quartal 2002 einen Gewinn von 936 Millionen Dollar oder von 14 Cents je Aktie verbucht. Im Vorjahresabschnitt waren es noch 485 Millionen Dollar oder sieben Cent je Aktie gewesen. Damit hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten knapp erfüllt

Auf den zweiten Blick sind die Intel-Zahlen gar nicht so positiv. Klammert man allerdings Sonderbelastungen für Akquisitionen aus, dann hat der Konzern eine Milliarde Dollar verdient oder sieben Prozent weniger als im ersten Quartal 2001. Der Intel-Quartalsumsatz legte leicht um zwei Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar zu.

Für gute Stimmung sorgt allerdings der Ausblick des weltgrößten Chipherstellers. Intel erwartet für das zweite Quartal 2002 einen Umsatz zwischen 6,4 Milliarden Dollar und sieben Milliarden Dollar. Dieser positive Ausblick bescherte der Aktie nachbörslich ein Plus.

"Intels aggressive Forschungs- und Entwicklungs- sowie Produktionsinvestments haben sich im ersten Quartal ausgezahlt", kommentierte Intel-Präsident Craig Barrett das Ergebnis. Sie seien dem Produktmix und dem Ertrag in einem allgemein schwachen Umfeld zugute gekommen.

"Die Stimmung hat sich dramatisch geändert", sagte Michael O'Sullivan von der Commerzbank , "wir sind jedoch immer noch ziemlich negativ eingestellt, was die langfristigen Aussichten der Branche angeht". Der Anlagespezialist glaubt nicht an den Anfang einer Technologie-Rallye.

Neben Intel sorgte auch Motorola für gute Stimmung. Der US-Technologiekonzern konnte seinen Verlust im ersten Quartal 2001 verringern, setzte aber weniger um als im Vorjahr. Pro Aktie belief sich der Verlust auf 20 Cent, im Vorjahreszeitraum waren es noch 24 Cent. Das entspricht nach Firmenangaben einem Fehlbetrag von 449 Millionen Dollar, im Vergleichszeitraum seien es noch minus 533 Millionen Dollar gewesen. Motorola habe 6,0 Milliarden Dollar umgesetzt und damit etwa 1,7 Milliarden Dollar weniger als im ersten Quartal 2001. Konzernchef Christopher Galvin bekräftigte, Motorola werde in der zweiten Jahreshälfte die Gewinnzone erreichen. Im Gesamtjahr werde das Unternehmen profitabel wirtschaften, wenn Sonderposten ausgeklammert würden. Galvin geht davon aus, dass sich die US- und die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren.

Motorola gewannen am Morgen im Frankfurter Handel knapp vier Prozent. Nokia stiegen um rund drei Prozent und setzten sich damit an die Spitze des EuroStoxx 50. Bei der schwedischen Ericsson-Aktie ging es um rund zweieinhalb Prozent nach oben. Siemens   verbesserten sich um rund ein Prozent. Die Siemens-Ableger Epcos   und Infineon   konnten mit Kurssteigerungen um rund vier Prozent (53,52 Euro) beziehungsweise 1,7 Prozent (24,61 Euro) stärker von den Zahlen der US-Konkurrenten profitieren.

Händler erwarten, dass die Analysten ihre Ergebnisprognosen für die Handy-Hersteller nun anheben werden. Für Skepsis sorgen allerdings die erwarteten Zahlen von Nokia. Hier wird allgemein nicht damit gerechnet, dass der weltgrößte Mobilfunkausrüster am Donnerstag seine eigenen Gewinnprognosen erfüllen kann. Während das Kerngeschäft Handy-Verkauf gut gelaufen sei, habe der kontinuierliche Auftragsrückgang durch Mobilfunkbetreiber, insbesondere in Europa, Nokias Netzwerk-Sparte belastet. "Das Geschäft mit den Handys ist den Erwartungen entsprechend verlaufen, aber der Infrastrukturmarkt hat sich problematischer entwickelt", sagte Karri Rinta von der Evli Bank in Helsinki.

Auch Siemens bereitet den Anlegern Sorge. Der Grund: Nach Händlerangaben hat Lehman Brothers die Gewinnprognose für 2002 und 2003 um satte 25 Prozent und 16,7 Prozent gekappt. Außerdem deutete Siemens-Chef Heinrich von Pierer an, dass in der Sparte Information & Communications weitere Stellen gestrichen werden könnten. Es gebe da nach wie vor "strukturelle Probleme".