Chodorkowski-Prozess Anwalt rechnet mit Schuldspruch
Moskau - Chodorkowskis Anwälte erwirkten einen Aufschub der Verhandlung um etwa eine Woche. Dann nämlich soll einer ihrer Kollegen nach einer Augenoperation wieder am Prozess teilnehmen können.
Eine Lösung des seit einem Jahr dauernden Konflikts zwischen dem Kreml und dem reichsten Mann Russlands, der am 25. Oktober 2003 verhaftet worden war, zeichnet sich noch nicht ab. Zusammen mit dem früheren Vorstandsvorsitzenden des Ölkonzerns Jukos stehen in Moskau seine Geschäftspartner Platon Lebedjew und Andrej Krajnow vor Gericht.
Die russische Justiz hatte Chodorkowski und seine Firma Jukos im Jahr 2003 angeblich deshalb ins Visier genommen, weil der Unternehmer in Opposition zu Präsident Wladimir Putin gegangen war. Er hatte auch im Parlament versucht, Einfluss auf die Steuergesetze für die Ölbranche zu nehmen. Durch den Druck der Steuerbehörde steht Jukos mittlerweile kurz vor dem Konkurs. Das Amt fordert allein für das Jahr 2000 Nachzahlungen von knapp drei Milliarden Euro.
Der Strafprozess vor dem Amtsgericht war zwar grundsätzlich öffentlich, wurde aber in einem sehr kleinen Saal verhandelt. Neben den Eltern Chodorkowskis und einem Bruder Lebedjews fanden nur acht Journalisten Platz. Fernsehbildern zufolge machten die beiden Hauptangeklagten einen gefassten Eindruck, als sie in einem Käfig der Verhandlung folgten.
Robert Amsterdam, ein Anwalt Chodorkowskis aus Kanada, kritisierte, dass er nicht zu der Verhandlung zugelassen worden sei. Amsterdam rechnet fest mit einem Schuldspruch für seinen Mandanten. "Ich erwarte nicht mehr, als ich in der Vergangenheit gesehen habe. Das ist ein Land, das sein bestes Unternehmen zerstört, während dessen führende Manager illegal im Gefängnis schmachten. Das endgültige Urteil? Schuldig!", sagte er in Toronto.
Vor dem Gerichtsgebäude forderten etwa 20 Anhänger Chodorkowskis dessen Freilassung. Lebedjews Anwälte beantragten, den Haftbefehl gegen ihren Mandanten aufzuheben. Der frühere Vorsitzende der Finanzgruppe Menatep, Großaktionär von Jukos, war im Juli 2003 festgenommen worden.
Am kommenden Montag soll ein vorgesetztes Gericht über eine Haftprüfungsbeschwerde Chodorkowskis entscheiden.