Chodorkowski-Prozess: Die Liste der Schuldsprüche wird immer länger - DER SPIEGEL
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Chodorkowski-Prozess Die Liste der Schuldsprüche wird immer länger

Mit der Verlesung der rund 1000 Seiten umfassenden Urteilsbegründung im Prozess gegen Jukos-Gründer Michail Chodorkowski wird das Gericht wohl auch heute nicht fertig werden. Das Strafmaß kommt zwar erst zum Schluss, doch es zeichnet sich immer deutlicher ab: das Urteil wird sehr hart ausfallen.
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Moskau - Vier Anklagepunkte waren es gestern, für die die Ankläger nach dem Urteil von Richterin Irina Kolesnikowa schlüssige Beweise vorgelegt hatten. Heute kamen zwei weitere hinzu: Auch die Vorwürfe der Steuerhinterziehung und des Wirtschaftsbetrugs sah Kolesnikowa als erwiesen an. Chodorkowskis Schuld sei in allen sieben Anklagepunkten durch die Beweislage und die Aussagen von Zeugen bestätigt worden, zitiert die Nachrichtenagentur Interfax die Richterin. Chdorkowski und sein mitangeklagter Partner Platon Lebedew seinen Teil einer kriminellen Gruppe.

Der Gründer von Jukos war im Oktober 2003 verhaftet worden, Lebedew drei Monate zuvor. Beiden werden Vergehen im Zusammenhang mit der Privatisierung einer Düngemittelfabrik im Jahr 1994 vorgeworfen. Die Staatsanwälte haben eine Haftstrafe von zehn Jahren beantragt.

Während Chodorkowskis Haftzeit wurden gegen Jukos Steuernachforderungen in Milliardenhöhe erhoben. Die wichtigste Jukos-Tochter Juganskneftegas wurde schließlich wegen Steuerschulden zwangsversteigert.

Chodorkowskis Anhänger halten das Verfahren für politisch motiviert. Sie sehen in dem Prozess den Versuch des Kremls, Chodorkowski wegen seiner Unterstützung der Opposition zu bestrafen.

Auch im Ausland hat das Verfahren Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit der Justiz in Russland aufgeworfen und viele Investoren verunsichert. Sogar die US-Regierung äußerte überraschend deutliche Kritik. "Die Handhabung der Chodorkowski-Yukos-Affäre hat Russlands Ruf untergraben und das Vertrauen in Russlands richterliche und juristische Institutionen geschwächt", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Es sei im Interesse der russischen Regierung, dass die durch den Prozess deutlich gewordenen institutionellen Defizite möglichst bald und direkt angegangen würden, sagte der Sprecher.