Chronologie Der Streit um das Defizitverfahren
31. Januar 2002:
Die EU-Kommission schlägt angesichts einer hohen Neuverschuldung Defizit-Frühwarnungen, so genannte Blaue Briefe, für Deutschland und Portugal vor.
12. Februar 2002:
Die EU-Finanzminister verschonen Deutschland und Portugal vor der Zustellung der Blauen Briefe. Deutschland sichert zu, die Defizit-Obergrenze des Euro-Stabilitätspakts von drei Prozent
des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht zu überschreiten und den nahezu
ausgeglichenen Haushalt 2004 zu erreichen. Später werden diese
Erklärungen Makulatur.
25. Juli 2002:
Die Kommission leitet gegen Portugal ein
Defizitverfahren ein, nachdem die Regierung in Lissabon für 2001 ein
überhöhtes Defizit von 4,1 Prozent vom BIP bestätigt hat.
17. Oktober 2002:
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bezeichnet
den Stabilitätspakt zur Absicherung des Euro als "dumm" und zu
unflexibel. An der Handhabung des Paktes ändern diese Bemerkungen
aber nichts.
5. November 2002:
Die EU-Finanzminister bestätigen das Verfahren
gegen Portugal.
13. November 2002:
Die Kommission bringt das Defizitverfahren
gegen Deutschland auf den Weg. In der Herbstprognose erwartet Brüssel
nun eine Neuverschuldung von 3,8 Prozent vom BIP für 2002.
8. Januar 2003:
Die Kommission verlangt von Berlin sofortige
Maßnahmen zur Rückführung des Defizits unter die Obergrenze von drei
Prozent.
16. Januar 2003:
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht
offizielle Angaben zum deutschen Haushaltsdefizit 2002. Die
Neuverschuldung betrug 3,75 Prozent.
21. Januar 2003:
Die EU-Finanzminister bestätigen das
Defizitverfahren gegen Deutschland und schicken Frankreich als erstem
EU-Land einen Blauen Brief wegen des für 2003 erwarteten Defizits.
29. August 2003:
Nun ist es amtlich: Deutschland wird 2003 im
zweiten Jahr in Folge die Defizit-Obergrenze des Stabilitätspakts von
drei Prozent des BIP durchbrechen. Bundesfinanzminister Hans Eichel
meldet ein voraussichtliches Defizit von 3,8 Prozent des BIP nach
Brüssel.
25. November 2003:
Mit der Aussetzung der Defizit-Verfahren gegen
Deutschland und Frankreich stürzen die EU-Finanzminister den
Stabilitätspakt in eine tiefe Krise. Die Minister verpflichten beide
"Sünder" ohne Strafandrohung zum Sparen. Beide Länder werden 2004 zum
dritten Mal die Defizit-Obergrenze von drei Prozent des
BIP überschreiten. Die EU-Kommission will rechtliche Schritte gegen
den Ministerbeschluss prüfen.
31. Dezember 2003:
Eichels Ministerium räumt erstmals ein, dass
mit dem Steuerkompromiss und geringer als geplant ausgefallenen
Kürzungen etwa bei Eigenheimzulage und Pendlerpauschale auch 2005 die
Einhaltung der Defizitgrenze schwieriger wird. Berliner
Regierungskreise halten die Gefahr für "ziemlich groß", dass
Deutschland 2005 zum vierten Mal in Folge gegen den Stabilitätspakt
verstößt.
13. Januar 2004:
Die EU-Kommission beschließt, mit einer bislang beispiellosen Klage beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen den Finanzministerrat vor Gericht zu ziehen. Die Kommission sieht den
Beschluss der Minister, die Defizit-Strafverfahren gegen Deutschland
und Frankreich anzuhalten, als illegal an.