Chronologie Die Ära Sommer
16. Mai 1995:
Der Sony-Manager Sommer wird zum Chef der Deutschen Telekom berufen. Die Verschuldung des Konzerns liegt bei umgerechnet rund 59 Milliarden Euro.
18. November 1996: Erster Börsengang der Telekom zu einem Emissionspreis von 28,50 DM (umgerechnet 14,32 Euro). Der Kapitalanteil des Staates sinkt auf 76,5 Prozent.
September 1998: France Télécom und Deutsche Telekom vereinbaren eine Überkreuzbeteiligung in Höhe von zwei Prozent.
Dezember 1998: Die Aktien steigen auf 28,23 Euro.
Januar 1999: Die Telekom senkt die Preise um bis zu 62 Prozent, um die Marktanteilsverluste zu stoppen.
Frühjahr 1999: Der Plan für eine Fusion mit Telecom Italia scheitert. Die internationale Allianz mit France Télécom und mit Wind zerbricht.
Juni 1999: Die Telekom gibt neue Aktien zu 39,50 Euro aus. Der Kapitalanteil des Bundes sinkt auf rund 67 Prozent.
August 1999: Der britische Mobilfunkanbieter One2One wird für zehn Milliarden Euro von der Telekom vollständig übernommen.
Dezember 1999: Die Telekom-Aktie steigt auf 71 Euro. Der Schuldenstand liegt bei 42 Milliarden Euro.
März 2000: Der Börsenkurs der Telekom-Aktien erreicht im laufenden Handel mit 104,90 Euro den bisher höchsten Stand.
April 2000: Die Internet-Tochter T-Online < TOIGn.DE > geht an die Börse. Der Emissionspreis beträgt 27 Euro.
Juni 2000: Dritter Börsengang zu einem Emissionspreis von 63,50 Euro. Der Anteil des Bundes sinkt auf rund 57 Prozent.
Juli 2000: Die Telekom ersteigert für insgesamt rund 8,5 Milliarden Euro eine der begehrten UMTS-Mobilfunklizenzen.
Dezember 2000: Der Aktienkurs der Telekom stürzt auf 32,10 Euro ab. Der Schuldenstand erreicht 60 Milliarden Euro.
Frühjahr 2001: Infolge korrigierter Immobilienwerte kürzt die Telekom ihren Jahresabschluss 2000 um 1,5 Milliarden Euro auf 5,9 Milliarden Euro.
Juni/Juli 2001: Die Telekom übernimmt den US-Mobilfunker VoiceStream für mehr als 35 Milliarden Dollar. Die Verschuldung liegt jetzt bei 71 Milliarden Euro.
August 2001: Sommer sagt in einem Interview: "Ich fühle mich erst wieder wohl, wenn die Telekom-Aktie mindestens 70 Euro überschreitet. Der Kurs steht bei rund 20 Euro.
Dezember 2001: Die Telekom-Aktien liegen bei 19,30 Euro. Die Verschuldung beträgt 67 Milliarden Euro.
Februar 2002: Das Bundeskartellamt verbietet den Verkauf von Kabelnetzen für 5,5 Milliarden Euro an Liberty Media.
März 2002: Erstmals überhaupt gibt die Telekom für 2001 einen Verlust von 3,5 Milliarden Euro bekannt. Die Dividende sinkt auf 0,37 Euro. Der Börsengang der Mobilfunksparte T-Mobile wird wegen des schwachen Marktumfeldes ausgesetzt.
2. Mai 2002: Die T-Aktie fällt unter den Emissionspreis.
14. Mai 2002: Bundeskanzler Gerhard Schröder verteidigt Sommer gegen Kritik: "Liebe Leute, es besteht kein Anlass den Mann auszuwechseln, der hat gut gearbeitet."
24. Mai 2002: Die Telekom prognostiziert einen Bilanzverlust von 5,5 Milliarden Euro im Jahr 2002.
28. Mai 2002: Das Management wird auf der Hauptversammlung wegen des Aktienkurses und der Erhöhung der Vorstandsbezüge um 90 Prozent scharf kritisiert. Der Bund führt mit 43 Prozent der Stimmen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat herbei.
17. Juni 2002: Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) greift die Erhöhung der Vorstandsbezüge als Wahlkampfthema auf.
18. Juni 2002: Der Telekom-Vorstand verzichtet auf seine Aktienoptionen. Finanzminister Hans Eichel (SPD) stützt Sommer: "Die Position von Sommer steht in gar keiner Weise in Frage."
26. Juni 2002: Die Aktien der Telekom fallen auf 8,14 Euro - den tiefsten jemals erreichten Stand.
6. Juli 2002: Medien berichten über eine vom Kanzleramt betriebene Ablösung von Sommer noch vor der Bundestagswahl im September. Ein Regierungssprecher: "Nicht der Bundeskanzler, sondern der Aufsichtsrat entscheidet über Personalfragen."
7. Juli 2002: Stoiber fordert Schröder zum Eingreifen auf, der Bund stellt sich daraufhin erneut hinter Sommer.
9. Juli 2002: Der Aufsichtsrat setzt für Mitte Juli eine Abstimmung über Sommer an. In Kreisen des Präsidiums wird die Bundesregierung als Drahtzieher der Personaldebatte genannt. Mehrere Namen für eine mögliche Nachfolge kursieren bereits.
10. Juli 2002: Sommer lehnt seinen Rücktritt ab.
11. Juli 2002: Der Telekom-Vorstand stellt sich einmütig hinter Sommer. Telekom legt überraschend positive Zahlen vor.
12. Juli 2002: 18.000 Telekom-Mitarbeiter wenden sich in einem offenen Brief gegen die Einflussnahme der Regierung. Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Arbeitnehmer-Vertreter, Rüdiger Schulze, hält eine Ablösung von Sommer für unnötig. Der Kurs der Telekom-Aktie legt wegen der erwarteten Ablösung Sommers binnen weniger Tage um mehr als zehn Prozent zu.
13. Juli 2002: Die Bundesregierung schlägt Telekom-Vorstand Gerd Tenzer als Kompromisskandidat für den Chefposten vor.
14. Juli 2002: Die US-Bank Goldman Sachs warnt vor einem Management-Wechsel bei der Telekom. Tenzer stößt bei Analysten, Aktionärsvertretern und dem Telekom-Vorstand auf Ablehnung.
15. Juli 2002: Im Aufsichtsrat zeichnet sich noch keine Mehrheit gegen Sommer ab. Die Telekom-Aktie verzeichnet mit minus 15 Prozent auf 10,30 Euro den größten Tagesverlust.
16. Juli 2002: Der Aufsichtsrat berät über eine Ablösung Sommers. In einer Sitzungspause verkündet Sommer vor laufenden Kameras seinen Rücktritt und begründet ihn damit, dass er nicht mehr die volle Unterstützung des Aufsichtsrates habe. Zu seiner Tätigkeit an der Spitze der Telekom sagt er: "Ich werde mit einem Gefühl der subjektiven Befriedigung zurückblicken."