Chronologie: Holzmanns Überlebenskampf - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Chronologie Holzmanns Überlebenskampf

Knapp zweieinhalb Jahre nach ihrer spektakulären Rettung hat die traditionsreiche Philipp Holzmann AG am Donnerstag wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt. SPIEGEL ONLINE stellt nachfolgend eine Chronologie der Ereignisse seit der damaligen Beinahe-Pleite dar.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

15. November 1999:

Holzmann teilt mit, eine Neubewertung von Problembereichen habe Verluste von 2,4 Milliarden Mark zu Tage gefördert und zur Überschuldung geführt. Hauptgrund seien Altlasten vor allem aus riskanten Immobiliengeschäften.

16. November: Die Staatsanwaltschaft teilt mit, sie ermittle wegen des Verdachts auf Untreue, Betrug und Bilanzfälschung.

18. November: Erste Sanierungsgespräche Holzmanns mit den Banken scheitern, die Lage verschärft sich.

19. November: Holzmann stellt einen milliardenschweren Rettungsplan vor, der massive Einsparungen, Kapitalmaßnahmen sowie die Streichung mehrerer tausend Arbeitsplätze vorsieht.

21./22 November: Nach mehr als 15 Stunden Verhandlungen scheitern die Sanierungs-Gespräche. Laut Firmenchef Heinrich Binder gibt es nun keine Möglichkeit mehr, die Insolvenz zu verhindern.

23. November: Holzmann stellt Insolvenzantrag beim Amtsgericht Frankfurt. Auch Landeschef Roland Koch kann die Banken nicht zum Einlenken bewegen; Die Holzmann-Aktie sinkt um 90 Prozent.

24. November: Schröder bietet 250 Millionen Mark Bundesmittel und überzeugt die Banken zur Annahme des Sanierungskonzepts.

25. November: Holzmann zieht den Insolvenzantrag zurück. Die Aktie springt um fast 100 Prozent auf 70,80 Euro.

9. Dezember: Binder wird abgelöst; Nachfolger ist Konrad Hinrichs.

13. Januar 2000: Die Staatsanwaltschaft durchsucht Holzmann-Büros sowie Privatwohnungen ehemaliger Mitarbeiter.

31. Januar: Carl von Boehm-Bezing tritt als Aufsichtsratschef zurück. Nachfolger wird der Ex-Ruhrkohle-Chef Gerhard Neipp.

27. April: Holzmann-Aktionär Gevaert verklagt die Baufirma und die Deutsche Bank auf mehr als 400 Millionen Mark Schadensersatz.

16. Oktober: Hinrichs räumt ein, dass die 2000 zum Ziel gesetzte Bauleistung verfehlt werde.

3. Mai 2001: Holzmann nennt einen endgültigen Verlust für 2000 von 80 Millionen Euro, will aber 2001 Gewinne erzielen.

18. November: Holzmann-Chef Hinrichs erklärt im Reuters-Interview die Sanierung des Konzerns für abgeschlossen und kündigt an, im Frühjahr möglicherweise nach einem Käufer zu suchen. Eine "böse Überraschung" bei den Zahlen 2001 erwarte er nicht.

14. Dezember: Holzmann teilt mit, in den ersten neun Monaten einen Verlust von 124,4 Millionen Euro verbucht zu haben, will aber im Gesamtjahr das Vorjahresminus von 80 Millionen Euro unterbieten.

1. Februar 2002: Vorstandschef Hinrichs übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats. Ein Nachfolger wird nicht benannt.

7. März: Holzmann räumt ein, 2001 einen deutlich höher als erwarteten Verlust verbucht zu haben. Branchenkreisen zufolge ist der Konzern jedoch nicht existenzgefährdet. Der Bund stellt klar, sich bei Holzmann nicht in der Pflicht zu sehen.

11. März: Gerüchte verdichten sich, dass das Eigenkapital Holzmanns aufgezehrt ist. In Finanzkreisen wird aber davon ausgegangen, dass eine Insolvenz verhindert werden kann.

13. März: Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer zeigt sich zuversichtlich, dass eine Lösung für Holzmann gefunden wird.

14. März: Agenturen melden, dass drei wichtige Gläubigerbanken den Rettungsplan für Holzmann nicht akzeptieren. Auch wird bekannt, dass sich Holzmann von der Pflicht zur Veröffentlichung kursrelevanter Ad-Hoc-Mitteilungen befreien ließ.

18. März: Die Bundesregierung erklärt, sie betrachte die Rettung von Holzmann als Angelegenheit der Banken.

20. März: Commerzbank und Dresdner Bank lehnen das Sanierungskonzept ab, die Deutsche Bank hält hingegen an weiteren Rettungsversuchen fest.

21. März: Die Deutsche Börse setzt in Erwartung einer wichtigen Mitteilung den Handel mit Holzmann-Aktien aus. Um 9.44 Uhr meldet die Firma, dass die Rettungsgespräche gescheitert seien. Nach der Wiederaufnahme des Handels stürzt die Aktie zeitweise um rund 40 Prozent auf 2,99 Euro. Mehrere hundert Holzmann-Mitarbeiter demonstrieren in Frankfurt. Um 17.09 Uhr kündigt Holzmann an, wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag zu stellen. Wenig später bestätigt das Frankfurter Amtsgericht den Eingang des Antrags.