Chrysler-Chef Probleme größer als erwartet
Stuttgart - Seine Vision sei nun, aus Chrysler "einen Delfin unter den Haien und Walen zu machen" - einen Autohersteller, der schneller, klüger und ein wenig freundlicher als andere auf neue Herausforderungen reagiere. Das sagte Zetsche am Dienstag in Auburn Hills. Vor vier Wochen war der langjährige Mercedes-Nutzfahrzeug-Vorstand von der Stuttgarter DaimlerChrysler-Zentrale nach Auburn Hills entsandt worden, um dort James Holden abzulösen.
Zetsche kündigte einen Wiederbelebungsplan an, der sich auf sechs Bereiche konzentrieren soll. Vier Punkte seien der Kostenreduzierung und zwei der Steigerung der Erträge vorbehalten. Einzelheiten nannte er nicht. Bei der Kostensenkung werde Chief Operating Officer Wolfgang Bernhard die Federführung übernehmen. Er selbst werde sich um Neuentwicklungen und Einnahmesteigerung kümmern.
Seit Zetsches Amtsantritt wurden einige Fabriken stillgelegt und die Zulieferer aufgefordert, ihre Preise ab Januar um fünf Prozent zu senken. Nach einem Verlust von 512 Millionen Dollar im dritten Quartal wurden die Investoren darauf hingewiesen, dass im letzten Quartal 1,2 Milliarden Dollar Verlust zu erwarten sei.
Zetsche sagte, drei Gründe hätten zur schlechten Lage Chryslers geführt: Erstens sei die Automobilkonjunktur in den USA durch billige Kredite und hohe Rabatte überhitzt worden, zweitens habe das Management die Nachfrage nach Minivans falsch eingeschätzt und drittens sei mit steigenden Preisen kalkuliert worden, die Preise seien tatsächlich aber zurückgegangen. Angesichts der "atemberaubenden Verschlechterung" sei es verständlich, dass die Belegschaft verunsichert ist. Chrysler sei aber in der Lage, sich selbst wieder in die Gewinnzone zu bringen.
Die Fusion von Daimler und Chrysler bezeichnete er als nach wie vor richtig. "Wir haben sicherlich nicht diese Größe des Problems erwartet, und deshalb muss jetzt unsere Anstrengung umso höher sein", sagte er.