Chrysler-Krise: Zetsche kämpft an allen Fronten - DER SPIEGEL
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Chrysler-Krise Zetsche kämpft an allen Fronten

Der neue Chrysler-Chef fährt einen riskanten Kurs: Er schließt Fabriken, um die Überproduktion einzudämmen, und will den Verkäufern die verkaufsfördernden Rabatte streichen.
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Detroit - Im Kampf um die angeschlagene US-Tochter von DaimlerChrysler plant Dieter Zetsche die ersten schmerzhaften Einschnitte. Die erste Maßnahme: Ab kommenden Montag werden drei Fabriken von Chrysler in Nordamerika für eine Woche geschlossen. Das soll dazu beitragen, die überquellenden Lagerbestände abzubauen. Betroffen ist insbesondere der Geländewagen Jeep, der unter anderem in Detroit und in Toledo produziert wird. Aber auch ein Pkw-Werk in der kanadischen Provinz Ontario ist betroffen. Insgesamt werden 13.600 Beschäftigte eine Woche lang in Zwangsurlaub geschickt.

Auch bei seinem ersten Treffen mit Chrysler-Managern machte Zetsche sich gleich unbeliebt. Bei einem Treffen mit den wichtigsten Händlern des US-Autobauers eröffnete er den US-Managern, dass der Vertrieb momentan die größte Achillesferse des Unternehmens ist: Für Dezember sollen nach Informationen der "Detroit News" 94.000 Fahrzeuge weniger geordert worden sein, als dies der Produktionsplan von Chrysler vorsieht.

Zetsche wendet sich vor allem gegen die großzügige Rabattpolitik der Amerikaner. Bisher war es gängige Praxis, die Kunden mit Rabatten, günstigen Leasing-Verträgen und Kaufanreizen wie kostenlosen Zusatzausstattungen in die Autohäuser zu locken. Zetsches geschasster Vorgänger James Holden war damit sehr großzügig, denn er wollte um jeden Preis den Marktanteil von Chrysler verteidigen. Nach kurzer Zeit wurde klar, dass die Gewinne im Fahrzeugverkauf dahinschmolzen, und Holden musste gehen.

Die Händler waren von diesem neuen Kurs allerdings wenig begeistert: "Er will die Verkaufsförderung zurückfahren, das ist einfach gesagt. Aber er hat das nicht in der Hand, der Markt hat das in der Hand", sagte Chrysler-Händler Martin McInery nach dem Gespräch mit Zetsche.

Nach Informationen der "Detroit News" bezweifeln die Händler bereits die Eignung von Zetsche für die neue Führungsaufgabe. Ihrer Ansicht nach fehlt ihm als Manager der Luxusmarke Mercedes Benz das Verständnis für den amerikanischen Massenmarkt. "Wenn jemand von Mercedes kommt, wo sie gar keine Verkaufsanreize geben, und dann sieht, dass jeder Verkauf mit 2000 bis 3000 Dollar unterstützt wird, dann muss das für ihn ein Kulturschock sein", sagte Jonathan Grant, ein New Yorker Händler. Seine Absatzzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr dramatisch eingebrochen: Bei den Chrysler-Minivans verkaufte er 35 Prozent weniger, beim Jeep Cherokee ging sein Absatz binnen Jahresfrist um 25 Prozent zurück.

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