Chrysler Schrempp rudert zurück
Auburn Hills - Schrempp und der neue Chrysler-Chef Dieter Zetsche diskutierten mit rund 400 Chrysler-Managern über das weitere Vorgehen. Schrempp sagte nach Angaben von Teilnehmern mit Blick auf die Entlassung mehrerer Top-Manager, es seien harte Entscheidungen getroffen worden. Er ließ auch keinen Zweifel daran, dass nun ein harter Sanierungskurs für Chrysler geplant sei: "Chrysler ist wie ein Schiff, das auf einen Eisberg zusteuert, wenn wir den Kurs nicht ändern."
Zugleich entschuldigte sich Schrempp für Aussagen, die zu der Interpretation geführt hatten, dass der Zusammenschluss mit Chrysler von vornherein nicht als Fusion unter Gleichen, sondern als Kauf von Chrysler geplant gewesen sei.
Zetsche teilte in einer E-Mail an alle 128.000 Chrysler-Beschäftigten mit, Chrysler sei in einer schwierigen Situation, die sich zuletzt noch verschlechtert habe. "Ich weiß, dass es eine Menge unbeantworteter Fragen gibt. Wir wollen so schnell wie möglich Antworten darauf geben", sagte er. Er kündigte "schmerzhafte Maßnahmen" an.
Die neue Chrysler-Führung - neben Zetsche hat DaimlerChrysler den bisherigen Mercedes-Manager Wolfgang Bernhard als für das Tagesgeschäft verantwortlichen Chief Operating Officer zu Chrysler entsandt - will im ersten Quartal 2001 ihre Pläne für eine umfassende Umstrukturierung von Chrysler vorlegen.
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit steht Zetsche vor der nächsten schweren Aufgabe. Er trifft am Dienstag mit den größten Chrysler-Händlern zusammen, die mit der Modellpolitik des Unternehmens sehr unzufrieden sind. Internen Papieren zufolge wird die Nachfrage der amerikanischen Händler im Dezember die Chrysler-Produktion um 94.000 Fabrikate unterschreiten.
Mitarbeiter von Chrysler zeigten sich verunsichert über die neue Lage, in der Gerüchte über einen Stellenabbau in der Verwaltung oder zeitweise Werksschließungen kursierten. "Die Gerüchteküche brodelt", sagte ein Mitarbeiter. "Tatsache ist, wir wissen überhaupt nichts." Ein anderer Mitarbeiter sagte: "Würde man nachdenken, könnte man nur noch am Schreibtisch sitzen und weinen."
Die DaimlerChrysler-Aktie ist nach den jüngsten Kursrückgängen nur noch etwa so viel wert wie die Aktie des Vorgängerunternehmens Daimler-Benz im November 1996. Im Vergleich zum Frühjahr 1999 hat die DaimlerChrysler-Aktie bis heute etwa die Hälfte ihres Wertes verloren. Das Unternehmen ist an der Börse derzeit nur noch mit etwa 46 Milliarden Euro bewertet. Nach dem Erreichen eines neuen Tiefstandes erholte sich die Aktie am Dienstagnachmittag ein wenig, wurde jedoch mit 46,68 Euro immer noch um zwei Prozent schwächer als am Vortag gehandelt.