Chrysler: Teure Geldspritze - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Chrysler Teure Geldspritze

DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp braucht Geld für die Sanierung der US-Sparte. Investoren zufolge muss er dafür mehr zahlen als die Konkurrenz.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Die Unsicherheit über die Zukunft von Chrysler wird sich bald in harten Zahlen niederschlagen. Anleihen im Wert von rund vier Milliarden Dollar muss DaimlerChrysler Investoren und Analysten zufolge rund ein halbes Prozent höher verzinsen als General Motors und Ford.

Während General Motors vergangene Woche seine fünf- und zehnjährigen Unternehmensanleihen für Zinsen zwischen 6,8 und 7,2 Prozent unterbrachte, muss DaimlerChrysler offenbar zwischen 7,2 und 8,6 Prozent anbieten, um Geld für fünf, zehn und dreißig Jahre zu leihen.

Investoren zufolge ist Chrysler "schlecht aufgestellt" für die Absatzkrise, die den amerikanischen Autobauern 2001 ins Haus steht. Die beiden wichtigsten Ratingagenturen Standard & Poors und Moody's hatten DaimlerChrysler schon vor einiger Zeit zurückgestuft.

Die Kritik der S&P-Analysten zielt dabei direkt auf Jürgen Schrempp: Neben der Absatzkrise führten sie die verschlechterte Moral unter Chrysler-Mitarbeitern als Grund für ihre Herabstufung an. Das sei vor allem dem "Management-Wirbel" zuzuschreiben, der seit der Fusion von Daimler und Chrysler 1998 entstanden ist.

Neben der generellen Unsicherheit der Chrysler-Sanierung kritisieren Investoren auch die weit geringeren Barreserven, die DaimlerChrysler zur Bewältigung von Krisen zurückgestellt hat. Fondsmanager Stephen Kane will selbst bei höheren Zinsen nicht zuschlagen: "DaimlerChrysler hat weniger finanzielle Flexibilität und hat weniger Reserven als die Konkurrenten. Chrysler ist weniger effizient und die Autos verkaufen sich schlechter. Außerdem ist es nicht klar, ob die Unternehmenskulturen von Daimler und Chrysler zusammenpassen, um die Probleme auch wirklich aus der Welt zu schaffen."

Mehr lesen über