Chuck Watson: Der Luftbucher - DER SPIEGEL
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Chuck Watson Der Luftbucher

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zu seinem letzten Höhenflug setzte Chuck Watson im November des vergangenen Jahres an. Viele Analysten hielten für kurze Zeit den Atem an, als der ehemalige Dynegy-Chef sein Übernahmeangebot für den fast viermal größeren, strauchelnden Energie-Riesen Enron abgab. Die neun Milliarden Dollar, die Watson als Kaufpreis bot, sollten doch leicht aufzubringen sein - immerhin gehörte Dynegy mit einem Umsatz von mehr als 42 Milliarden Dollar in der Rangliste des Wirtschaftsmagazins "Fortune" zu den Top-30-Unternehmen in den USA.

Doch mit dem spektakulären Rückzieher in letzter Minute begann auch der Stern Watsons zu verglühen. Die Anleger wurden misstrauisch - der Kurs der Dynegy-Aktie ging in den Sinkflug über. Im April erfuhren die Investoren, dass ihr Ausstieg aus Dynegy die einzig richtige Entscheidung gewesen ist. Die Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's stuften die Kreditwürdigkeit des Unternehmens für langfristige Anleihen drastisch zurück: Dynegy rangiert danach noch gerade ein beziehungsweise zwei Pünktchen über der Kategorie "Junk".

Im Mai schließlich annullierten die Steuerbehörden eine Steuererleichterung in Höhe von 79 Millionen Dollar, was den Gewinn des Energiehändlers für 2001 um 12 Prozent reduzierte. Die Steuervergünstigung hatte Dynegy auf Grund von Energiegeschäften bekommen, die in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden hatten. Im Zusammenspiel mit den Kollegen anderer Energiehandelsgesellschaften hatte Watson Kilowattstunden ge- und gleichzeitig wieder verkauft und so den Umsatz kräftig aufgebläht.

Nachdem jetzt auch die US-Börsenaufsicht SEC die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen hat, trat Watson Ende Mai von seinem Posten zurück. Allerdings nicht ohne sich den Abschied vergolden zu lassen: Watson kassierte eine Abfindung in Höhe von mindestens 33 Millionen Dollar. Das ist mehr als er bekommen hätte, wenn er seinen Vertrag normal erfüllt hätte.