Codename Matrix: Enrons digitale Lobbymaschine - DER SPIEGEL
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Codename Matrix Enrons digitale Lobbymaschine

Vor der Milliardenpleite Enrons nutzten Manager des Energiekonzerns modernste Technik, um Politiker zu beeinflussen. Mit einem Computerprogramm namens "Matrix" steuerten sie eine aggressive Lobby-Maschinerie.
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Washington - Das texanische Unternehmen hatte "Matrix" eigens entwickelt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen von geplanten Gesetzesänderungen auf Enron-Geschäfte zu errechnen, berichtet die "Washington Post".

Ökonomen gaben demnach in dieses Programm alle Details geplanter Gesetzesvorhaben ein. Mit den Daten und einem statistischen Modell errechneten Enrons Wissenschaftler, wie hoch die Kosten einer tatsächlichen Änderung der Gesetze für das Unternehmen wären. Waren die errechneten Kosten zu hoch, so bekamen Enrons Lobbyisten den Auftrag, Einfluss auf Politiker auszuüben.

"Es war eine neue Möglichkeit, politische Risiken zu berechnen", sagt Gia Maisashvili, der an der Entwicklung des Programms beteiligt war. "Ich sagte den leitenden Managern: Das ist euer finanzielles Risiko. Entscheidet selber, ob ihr die Lobbymaschine in Gang setzen wollt." Maisashvili hat das Unternehmen allerdings schon im vergangenen Jahr verlassen, weil er von dem Verhalten der Enron-Manager enttäuscht war. "Denen war es egal, ob etwas gut für die Gesellschaft war. Es ging ihnen nur darum, was für Enron gut war."

Um die aggressive Lobbyarbeit zu finanzieren, bat Enron-Chef Kenneth Lay seine Mitarbeiter in Briefen darum, Geld zu spenden. Einige von ihnen sehen darin heute eine subtile Form der Nötigung. So berichtet beispielsweise Sally Ison, Frau eines hohen Enron-Managers, dass ihr Mann Jerry 2000 Dollar für Wahlkampfhilfen an George W. Bush überwies, obwohl ihm der Kandidat gar nicht sympathisch war. Allein von Enron-Mitarbeitern erhielt das Bush-Team in den Jahren 1999 und 2000 rund 114.000 Dollar.

Mit den Geldern sicherte sich Lay einen freundschaftlichen Umgang mit George Bush senior, Bill Clinton und George W. Bush.

Der unter spektakulären Umständen zusammengebrochene Energieriese hatte Millionen Dollar an Politiker gespendet. Während des Präsidentschaftswahlkampfes war Enron der größte Unterstützer der Kampagne von George W. Bush. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr seine Gewinne drastisch nach unten korrigieren müssen. Ein Großteil der Schulden Enrons war in Drittgesellschaften versteckt, die nicht in der Bilanz auftauchten. Der Kongress in Washington und diverse Staatsanwälte untersuchen derzeit die komplizierten Finanzgebilde, mit Hilfe derer sich mehrere Enron-Manager bereichert haben sollen.