Comeback einer Krisenbranche: Akkord-Arbeit auf dem Bau - DER SPIEGEL
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Comeback einer Krisenbranche Akkord-Arbeit auf dem Bau

Holzmann machte Pleite, dann Walter Bau, die Zahl der Jobs sank und sank: Kaum eine Branche verkörperte die wirtschaftliche Mailaise im Deutschland der letzten Jahre so wie der Bau. Inzwischen aber wird wieder gebaut wie lange nicht mehr - und die Krisenbranche ist zum Wachstumsmotor geworden.
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Berlin - Solche Nachrichten hat man lange nicht gehört aus der deutschen Bauindustrie: Angesichts der unerwartet gut laufenden Geschäfte will sie möglicherweise ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr erhöhen. "Wir prüfen gerade, ob wir unsere Wachstumsprognose von einem Prozent für 2006 nach oben korrigieren", sagte Heiko Stiepelmann, Chefvolkswirt des Hauptverbandes, der "Welt".

Der Umsatz der Baukonzerne und großen Mittelständler des Bauhauptgewerbes könne somit den bisher prognostizierten Wert von 74,9 Milliarden Euro übersteigen. Die Branche profitiere vor allem von zusätzlichen Inlands-Aufträgen des produzierenden Gewerbes wie Automobilherstellern, Maschinen- oder Chemiefabriken. Hinzu kämen Neubauten von Logistikstandorten sowie Hafenerweiterungen. Auch der Bund und die Kommunen investierten wieder mehr Geld in die Erneuerung von Straßen, was den Baufirmen zugute komme.

Auch in der am Montag veröffentlichten Konjunktur-Bilanz des Statistischen Bundesamtes wird die jahrelang in der Krise steckende Baubranche als einer der Wachstumstreiber genannt. "Ich glaube nicht, dass das ein Strohfeuer ist", sagte Stiepelmann, "wir sind auch für 2007 positiv gestimmt."

Stellenzuwachs ist vorerst nicht zu erwarten

Ein positiver Effekt auf den Arbeitsmarkt sei allerdings so bald nicht zu erwarten. "Die Unternehmen sind bei Neueinstellungen sehr vorsichtig geworden. Wir können froh sein, wenn der Arbeitsplatzabbau 2007 zum Stillstand kommt", so Stiepelmann. Von 1,5 Millionen Bauarbeitern 1995 sank die Zahl auf zuletzt 680.000.

Vermutlich einen Einmaleffekt verzeichnet die Bau-Branche bei den Eigenheimen. Die Streichung der Eigenheimzulage zum 1. Januar dieses Jahres hat zu mehr Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2006 geführt. Ende 2005 wurden wesentlich mehr Bauanträge gestellt als üblich, weil die Antragsteller die Förderung noch einstreichen wollten.

Konkret bedeutete die Streichung der Eigenheimzulage für eine Familie mit zwei Kindern Einbußen von bis zu 22.800 Euro, verteilt auf den maximalen Förderungszeitraum von acht Jahren. Die Bundesregierung erhofft sich davon Einsparungen in Höhe von 223 Millionen Euro allein im Jahr 2006.

Schub durch Eigenheimzulage

Für Häuslebauer und Käufer von selbstgenutztem Wohneigentum war die Eigenheimzulage für all jene weggefallen, die nach dem 1. Januar 2006 den notariellen Kaufvertrag abschlossen. Teilweise seien die Zulage-Anträge erst 2006 bearbeitet und genehmigt worden, teilte das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz am Dienstag in Bad Ems mit.

Die Bauaufsichtsbehörden des Bundeslands gaben von Januar bis Juni grünes Licht für den Bau von 5328 Wohnhäusern. Das waren rund 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei machten Einfamilienhäuser fast 82 Prozent aller genehmigten Wohngebäude aus. Die veranschlagten Baukosten für die 5328 Wohngebäude werden auf 1,19 Milliarden Euro geschätzt.

itz/mm.de/dpa