Commerzbank Höchster Verlust in 134 Jahren
Frankfurt am Main - Der Gewinn vor Steuern im vierten Quartal betrage 71 Millionen Euro, teilte die Bank am Morgen mit. Das war deutlich besser als im Vorjahresquartal (minus 417 Millionen), aber dennoch schlechter als von Analysten erwartet. Die meisten hatten mit einem deutlichen Gewinn zwischen 30 und 170 Millionen Euro gerechnet. Grund für den Verlust sei die hohe Steuerlast - unter anderem bei profitablen Töchtern wie der comdirect .
Für das Gesamtjahr muss die Commerzbank einen Rekordverlust von 2,32 Milliarden Euro hinnehmen. Im Vorjahr belief sich der Fehlbetrag auf 298 Millionen. Der Milliardenverlust resultiert hauptsächlich aus Abschreibungen auf Beteiligungen von 2,3 Milliarden Euro aus dem dritten Quartal.
Investmentbanking nur noch blass rot
Auf der Ertragsseite scheint die Bank wieder Tritt gefasst zu haben. Der Zinsüberschuss lag mit 663 Millionen Euro quasi auf dem Niveau des Vorquartal und im Rahmen der Erwartungen. Das Provisionsergebnis zog merklich an und übertraf die Prognosen. Der Eigenhandel enttäuschte. Wie angekündigt werden die Commerzbank-Aktionäre keine Dividende für 2003 erhalten - sie gehen damit zum vierten Mal in der 134-jährigen Firmengeschichte leer aus.
Im Filialgeschäft und mit den Firmenkunden hat die Commerzbank vor Steuern solide Gewinne erwirtschaftet und zugleich den Verlust im Investmentbanking reduziert. Wie aus der Kurzfassung des Jahresabschlussberichts hervorgeht, betrug der Gewinn vor Steuern im Filialgeschäft 258 Millionen Euro nach einem Verlust von 44 Millionen Euro im Jahr 2002. Die Investmentbanking-Sparte verringerte ihren Fehlbetrag 2003 auf 32 Millionen Euro.
Weiter Weg
Die Commerzbank mit einem Börsenwert von derzeit gut 9,4 Milliarden Euro gilt seit Jahren als potenzielles Übernahmeziel und ist angesichts des zuletzt konsequenten Sparkurses und der Bereinigung von Altlasten in den Büchern auch für ausländische Institute inzwischen attraktiv. Sie muss deshalb nicht zwangsläufig - wie von einigen Vorständen favorisiert - mit der Münchener HVB zusammengehen. In Sachen Profitabilität hat die Bank aber noch einen weiten Weg vor sich: Die operative Eigenkapitalrendite nach Steuern beträgt für 2003 nur bescheidene 4,9 Prozent.
Nachdem sich der Aktienkurs der Commerzbank im vergangenen Jahr von dem Rekordtief im März erholt und mehr als verdreifacht hatte, sind die Papiere 2004 praktisch nicht mehr gestiegen und haben sich sogar schlechter entwickelt als der europäische Bankenindex. ex.