Commerzbank-Quartal Die Erwartungen waren höher
Frankfurt am Main - Der Kurs der Commerzbank-Aktie brach bis zum Mittag zeitweise um mehr als sieben Prozent ein, sie war damit Tagesverlierer im Dax. Nach Einschätzung von Analysten ist die negative Reaktion der Anleger auf den Konzernüberschuss zu tun, der mit 285 Millionen Euro deutlich unter den Erwartungen lag. Dass in den Zahlen auch Restrukturierungskosten in Höhe von 214 Millionen Euro für die Integration der Eurohypo enthalten sind, milderte die Enttäuschung nur wenig.
Sieht man von dem hohen Erwartungshorizont einmal ab, sind die Zahlen durchaus nicht schlecht. Immerhin stieg der Überschuss nach Angaben des Unternehmens im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 63 Prozent auf 285 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr kletterte der Gewinn unterm Strich sogar um 80 Prozent auf 1,025 Milliarden Euro.
Mit dem eigentlichen Bankgeschäft zeigte sich Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, der auch Präsident des Bundesverbands deutscher Banken ist, denn auch zufrieden: "Wir haben ein gutes operatives Ergebnis erzielt, dazu haben alle Geschäftsfelder beigetragen. Das Handelsergebnis von 691 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten war das bislang beste Halbjahresresultat der Commerzbank." Das operative Ergebnis verdoppelte sich fast auf 1,659 Milliarden Euro.
Die Zahlen wurden allerdings durch verschiedene Sonderfaktoren beeinflusst, was die Vergleichbarkeit mit den Vorjahresergebnissen erschwert. So schlugen im zweiten Quartal Aufwendungen in Höhe von 214 Millionen Euro zu Buche, weil die Eurohypo erstmals vollständig in der Bilanz des neuen Mutterkonzerns berücksichtigt wurde. Auf der anderen Seite brachte der Verkauf von Anteilen an der Korea Exchange Bank im Zeitraum Januar bis März einmalig 407 Millionen Euro ein.
Von den einzelnen Sparten schnitten die Mittelstandsbank und das neu ausgerichtete Investmentbanking am besten ab. Die Eigenkapitalrendite der Bank betrug nach Steuern 17,9 Prozent, auf lange Sicht soll sie unter Ausklammerung von Sonderfaktoren bei 15 Prozent liegen.
Auch nach der Eurohypo-Übernahme setzt Müller weiter auf Expansion. "Wir wollen organisch und wo sinnvoll durch gezielte Zukäufe - auch in ausgewählten Auslandsmärkten - wachsen", meinte der Vorstandschef. Bei zwei der wenigen Einkaufsmöglichkeiten in Deutschland, der Berliner Bank und der Norisbank, hatte die Commerzbank zuletzt das Nachsehen gehabt.
Die Bank will bis 2008 rund 900 Vollzeitstellen abbauen. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di sind davon bis zu 2000 Arbeitsplätze betroffen, sie lehnte den Stellenabbau bisher als "unmoralisch und unverantwortlich" ab. Etwa die Hälfte der Stellen soll im Zuge der Eingliederung der Eurohypo wegfallen, da die Kreditverarbeitung der beiden Banken künftig auf einer Plattform gebündelt wird. Die Commerzbank hatte die Eurohypo, die sich aus den ehemaligen Hypothekensparten der privaten Großbanken zusammensetzte, für 4,5 Milliarden Euro übernommen und war damit gemessen an der Bilanzsumme zur Nummer zwei nach der Deutschen Bank aufgestiegen. Im Schnitt wurden im ersten Halbjahr 34.526 Mitarbeiter (Vorjahreszeitraum: 31.553) beschäftigt.
mik/dpa/AP