ComROAD Der Luftschloss-Bauer
München - Anhaltspunkte für diesen Verdacht fand das Wirtschaftsprüfer-Unternehmen Rödl & Partner bei der Durchsicht der Bilanzen 1998 bis 2000. Allein im Jahr 2000 seien 97 Prozent des Umsatzes über eine Firma in Hongkong abgewickelt worden, die es vermutlich nicht gab. Rödl & Partner jedenfalls habe keine Anhaltspunkte für die Existenz des Unternehmens gefunden, teilte die neue ComROAD-Geschäftsführung am Dienstag in München mit.
Unterdessen zog auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihre Bestätigungsvermerke für die Bilanzen 1998 bis 2000 zurück. KPMG sei unabhängig von dem Ergebnis der Sonderprüfung durch Rödl & Partner zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Großteil des Umsatzes vorgetäuscht worden sei, teilte die Gesellschaft in Berlin mit. Erst bei der Prüfung des Jahresabschlusses 2001 waren der Gesellschaft Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Mitte Februar hatte KPMG das Mandat aus diesem Grunde gekündigt.
ComROAD-Gründer und Ex-Vorstandschef Bodo Schnabel wurde wenige Tage darauf wegen des Verdachts des Kursbetrugs verhaftet. Auch gegen seine Frau, die im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, wird ermittelt. Die Sonderprüfung von Rödl & Partner für das Jahr 2001 hatte ergeben, dass 98 Prozent des Umsatzes vermutlich erfunden waren. ComROAD war im Zuge der Enthüllungen auch vom Börsensegment Neuer Markt in Frankfurt verbannt worden.
Im Jahresabschluss 1998 waren nach Angaben von ComROAD rund 63 Prozent des Umsatzes von 4,5 Millionen Euro über die Firma VT Electronics in Hongkong verbucht worden. 1999 wurden dieser Firma bereits 86 Prozent des Umsatzes von 20 Millionen Euro zugeschrieben. Ein Jahr später waren es nach den Ermittlungen der Sonderprüfer schon 97 Prozent des ausgewiesenen Umsatzes von 86 Millionen Euro.
Der Bilanzskandal bei ComROAD hatte vor allem bei Aktionärsschützern heftige Angriffe gegen die Wirtschaftsprüfer ausgelöst. KPMG wies die Kritik zurück. Die Wirtschaftsprüfer seien gezielt von ComROAD getäuscht worden. Dazu habe das Unternehmen unter anderem Auftragsbestätigungen, Rechnungen und Verträge vorgelegt, die offensichtlich gefälscht waren.