Comroad: Ohrfeige von den Wirtschaftsprüfern - DER SPIEGEL
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Comroad Ohrfeige von den Wirtschaftsprüfern

Der Neue Markt bleibt ein Tal der Tränen, jetzt verdirbt ein neuer Skandal die ohnehin schlechte Stimmung. Comroad sein nicht vertrauenswürdig, sagen die Wirtschaftsprüfer und legen ihr Mandat nieder. Für den Telematik-Dienstleister könnte diese schallende Ohrfeige das Ende bedeuten.
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Frankfurt am Main - Die Comroad-Aktien   sind bis auf weiteres vom Handel ausgesetzt. Der Aktienkurs war vor dem Handelsstopp um fast 26 Prozent auf 3 Euro eingebrochen.

Der Grund für den Stopp: Die Wirtschaftprüfungsgesellschaft KPMG hat ihr Mandat zur Prüfung von Comroad niedergelegt. "Es bestehen begründete Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit von Comroad", sagte ein KPMG-Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Nähere Angaben wollte er nicht machen.

"Das Mandat wurde gestern Abend niedergelegt", bestätigte Comroad-Vorstandschef Bodo Schnabel am Mittwoch auf Anfrage. Die Wirtschafsprüfer hätten in einigen Punkten Bedenken in Bezug auf die Geschäftsbeziehungen der Comroad angemeldet. Es sei vor allem darum gegangen, dass mehrere angegebene Adressen von Partnerfirmen "nicht da sein sollen".

Erst am vergangenen Montag war die Aktie des Telematikanbieters um fast 33 Prozent eingebrochen. Grund war die Nachricht von der Insolvenz des britischen Comroad-Partners Skynet Telematics.

Comroad selbst bemühte sich umgehend um Schadensbegrenzung. Die Reaktion des Marktes sei "maßlos übertrieben" gewesen, erklärte ein Sprecher der Unterschleißheimer Firma am Dienstag. Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf des Unternehmens seien durch die Insolvenz nicht zu erwarten.

Die Beteiligung, die einst 500.000 Dollar gekostet hatte, hätte ohnehin abgeschrieben werden müssen, da die in New York notierte Skynet Telematics ihrerseits in den zurückliegenden Monaten einen starken Kursverfall verzeichnen musste.

Die jetzt vorgenommene Abschreibung werde in den Jahresabschluss 2001 einfließen, der wie geplant am 25. Februar vorgelegt werde. Im Geschäftsjahr 2000 hatte ComROAD bei einem Umsatz von 43,9 Millionen Euro ein Ebit von 7,3 Millionen Euro gemeldet.

Gibt es die Comroad-Partner wirklich?

Die Aktie des Unternehmens ist bereits seit einigen Tagen massiv unter Druck. Händler begründeten den Kursverfall damit, dass einige institutionelle Anleger offenbar um fast jeden Preis aus der Aktie heraus wollten.

Ausgelöst wurde die Verkaufswelle unter anderem durch Berichte um angeblich nicht existierende Geschäftsbeziehungen. Das Magazin "Börse-Online" hatte Partnerschaften von Comroad in Zweifel gezogen und dem Vorstandsvorsitzenden Bodo Schnabel vorgeworfen, er hätte eine falsche eidesstattliche Versicherung zu den Geschäftszahlen 2000 abgegeben.

Hartnäckige Zweifel an Comroad-Aussagen

Hintergrund: Comroad hatte im November 2001 eine Liste vor Gericht vorgelegt, um die Zahl seiner Partner zu belegen. Zuvor hatte das Telematikunternehmen rechtliche Schritte gegen den "Börse-Online"-Artikel mit dem Titel "Phantompartner in Asien" eingeleitet, da das Magazin die Höhe der Asien-Umsätze im Jahr 2000 angezweifelt hatte. Nach Angaben der Chefredaktion hatten die Recherchen der Zeitschrift nur Hinweise auf zwei der angeblich acht Partner ergeben.

Die Aktiengesellschaft selbst wies diese Anschuldigungen vehement von sich. Comroad-Sprecher Stefan Mehler sagte am 15. Februar, sein Unternehmen befinde sich in einem Rechtstreit mit dem Anlegermagazin.

"Wir haben testierte Abschlüsse seit 1995 von KPMG", fügte er hinzu. Der Vorstand werde die Bilanzpressekonferenz im März nutzen, um alle Verträge mit den 37 Partnern offen zu legen und weitere Beweise für die Partnerschaften vorlegen.