Concorde-Absturz Richter ermittelt gegen Continental
Cergy-Pontoise - Viereinhalb Jahre nach dem Absturz einer Concorde bei Paris hat die französische Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen die US-Fluggesellschaft Continental eingeleitet. Wie am Donnerstag aus Justizkreisen verlautete, ermittelt Untersuchungsrichter Christophe Regnard wegen fahrlässiger Tötung.
Ein Continental-Anwalt bestätigte entsprechende Untersuchungen. "Unsere Verteidigung beruht darauf, dass wir keinen Fehler begangen haben." Die Ermittlungen würden längere Zeit in Anspruch nehmen.
Überschalllegende: Abschied von der Concorde
Eine DC-10 von Continental hatte am 25. Juli 2000 beim Start auf dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle eine Metall-Lamelle verloren, die am Beginn einer verhängnisvollen Kettenreaktion stand. Die direkt im Anschluss startende Concorde der Air France mit 96 deutschen Touristen an Bord rollte über das Teil.
Ein Reifen platzte, umherfliegende Gummiteile verursachten eine Schockwelle in der linken Tragfläche, die einen Tank von innen her aufriss. Ausströmendes Kerosin entzündete sich. Das Überschallflugzeug stürzte brennend auf ein Hotel im Pariser Vorort Gonesse, 113 Menschen starben. Continental hat bislang jede Mitverantwortung für den Unfall zurückgewiesen.
Trotz der wiederholten Unschulds-Erklärungen von Continental hat die amerikanische Airline bereits im Juli 2001 in einen Opferfonds eingezahlt, an dem sich damals die Air France, der Reifenhersteller Good Year, der Pariser Flughafenbetreiber und mehrere Ersatzteilfirmen aus Frankreich beteiligten. Damals waren 120 Millionen Dollar an die Opfer der Flugkatastrophe ausgezahlt worden, unter denen auch 96 Deutsche waren.
Einer der maßgeblichen deutschen Opferanwälte sagte am Freitag, die nun bestätigten Ermittlungen gegen Continental wegen fahrlässiger Tötung seien für ihn keine Überraschung. "Wir wissen seit dem Abschlussbericht, dass das abgefallene Teil des Continental-Jets für die Katastrophe verantwortlich war", sagte Ulrich von Jeinsen SPIEGEL ONLINE, "deshalb sind die jetzigen Ermittlungen nur logisch". Der umfangreiche Bericht über die Absturzursache war Ende vergangenen Jahres veröffentlich worden. Darin war Air France entlastet worden und eine abgefallene Lamelle von der DC-10 der Continental als Unfallursache benannt worden.
Weitere Entschädigungsforderungen gegen die US-Airline schloss der Opferanwalt in Hinblick auf die bereits gezahlte Summe vorerst aus. Trotzdem will sich der Jurist von Jeinsen an einem möglichen Prozess gegen die Continental als Nebenkläger einbringen. Schon im Dezember letzten Jahres hieß es in Pariser Gerichtskreisen, dass neben dem Continental-Chef auch ein weiteres Continental-Führungsmitglied und drei Techniker vor dem Ermittlungsrichter erscheinen sollen. Damals war von einem Termin Ende Februar oder Anfang März die Rede.