ConSors Übernahme zum Billigtarif?
Nürnberg/Paris - Die französische Société Générale und der amerikanische Online-Broker E-Trade sollen zwar noch nicht aus dem Auktionsverfahren ausgeschieden sein, berichtet die "Welt" unter Berufung auf Finanzkreise. Bisher sollen sie aber, anders als BNP Paribas, kein verbindliches Angebot unterbreitet haben - und vermutlich werde dies so bleiben.
So läuft alles darauf hinaus, dass die Großbank BNP Paribas den Zuschlag erhält. Die Franzosen betreiben bereits einen eigenen Online-Broker namens Cortal, der gemeinsam mit ConSors auf fast eine Million Kunden in Europa käme - das wäre europaweit der größte Kundenstamm in diesen Geschäftsfeld. Die Commerzbank, die ursprünglich ebenfalls Interesse an ConSors bekundet hatte, ist nicht mehr mit von der Partie.
Den Informationen der "Welt" zufolge plant BNP Paribas, den ConSors-Aktionären für ihre Anteilsscheine nur in etwa den jetzigen Börsenkurs zu bieten. Das entspräche einem Gesamtpreis von rund 650 Millionen Euro, falls BNP ConSors komplett übernähme. Allerdings wollten die Franzosen offenbar nicht 100 Prozent der Anteile kaufen, heißt es.
Infolge des Presseberichtes haben die ConSors-Aktien am Neuen Markt leicht nachgegeben, während die Papiere von Konkurrenten wie comdirect und DAB Bank zulegten. In einem ruhigem Gesamtmarkt verloren die ConSors-Aktien bis 11.45 Uhr 1,1 Prozent und notierten bei 13,72 Euro. Gleichzeitig gewann der Nemax 50 0,5 Prozent und stieg auf 1021 Zähler.
"Viele haben auf eine deutliche Prämie für die im Streubesitz befindlichen Aktien der SchmidtBank-Tochter gehofft", begründete ein Händler den Wertverlust. Damit sei jetzt offenbar nicht mehr zu rechnen. BNP Paribas hat nach Händleraussagen schon in den vergangenen Tagen immer wieder ConSors-Aktien auf dem Aktienmarkt gekauft. Rund 25 Prozent der Papiere befinden sich im Streubesitz, 64,5 Prozent hält die SchmidtBank.
BNP plant offenbar, den deutschen Online-Broker an der Börse zu belassen. Außerdem solle die Marke ConSors erhalten und eventuell in weitere Länder Europas ausgedehnt werden. Am Management um ConSors-Chef Karl Matthäus Schmidt wollen die Franzosen offenbar festhalten.
Teil der BNP-Paribas-Strategie solle zudem eine Vertriebskooperation mit dem Versicherungskonzern Axa in Deutschland sein. Die Axa ist mit 7,5 Prozent an der BNP Paribas beteiligt. Bisher fehlt der Deutschland-Tochter, der früheren Colonia Versicherung, ein Bankvertriebspartner. Eine Beteiligung der Axa an dem Online-Broker sei allerdings nicht geplant, schreibt die "Welt".
Finanzkreise erwarten nun, dass es bereits in der kommenden Woche zu einer Einigung zwischen den Franzosen und Paul Wieandt kommt, dem Vorstandschef der Consors-Mutter SchmidtBank. Die SchmidtBank war Ende vergangenen Jahres wegen Finanzproblemen von einem Bankenkonsortium übernommen worden war.
Wieandt, der die in die Krise geratene Hofer Filialbank sanieren soll, hatte angekündigt, bis Ende März eine Lösung für ConSors finden zu wollen: Die SchmidtBank teilte am Donnerstag mit, bislang sei noch keine endgültige Entscheidung über den Verkauf von ConSors getroffen. Mit einer Einigung sei aber in einigen Tagen zu rechnen, so eine Unternehmenssprecherin.